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Teile Fertighaus I Der Dämmstoff I Foto Zauberhut/stock.adobe.com

Wie lassen sich alte Holzfertighäuser energetisch sanieren?

Holzfertighäuser boomen seit den 1960er Jahren. Die damals typische Trennung von Holzkonstruktion und Bekleidung erweist sich bei den nun meist notwendigen, nachträglichen Dämmmaßnahmen als äußerst praktikabel. Wir zeigen, wie sich Fertighäuer mit einer Hülle aus nichtbrennbarer Mineralwolle leicht dämmen und energetisch sanieren lassen.

Das moderne Fertighaus ist ohne Mineralwolle nicht denkbar. Der Leichtbau arbeitet mit weniger wärmespeichernder Masse als der Massivbau. Mauerwerks- und Betonbauten waren im Nachkriegsdeutschland zunächst die traditionelle Bauweise und Dämmung war kein Thema. Das Fertighaus in Holzrahmenbauweise war dagegen dank eines hohen Vorfertigungsgrades schneller und meist auch günstiger errichtet und erfreute sich so ab den 1960er Jahren zunehmender Beliebtheit. Für eine ausreichende Dämmung sorgte schon damals Mineralwolle im Gefach. Deren Entwicklung für den Hausbau war noch relativ neu, aber wegen ihres mineralischen, heimischen Ursprungs war sie lokal und günstig verfügbar.

Zudem verbessert eine Mineralwolldämmung dank ihrer Zusammensetzung aus nichtbrennbaren, natürlichen Rohstoffen bis heute den Schutz vor Feuer und Rauch. Noch zu frisch waren damals die Erinnerungen an die durch Bombenfeuer zerstörten Altstädte aus mit Stroh und Lehm ausgefachten Fachwerkhäusern. Heute sind diese ersten Generationen von Holzfertighäusern mit Mineralwolle hinsichtlich ihres Energiebedarfes und Dämmwertes nicht mehr zeitgemäß. Ihre Dämmung war meist unterdimensioniert. Manche Eigenheimbesitzenden fragen sich nun, ob und wie sich ein Fertighaus überhaupt sanieren lässt.

Voraussetzungen für die Sanierung eines Holzfertighauses

Konstruktiv ist der modulare Aufbau der Hülle in eine tragende, eine dämmende und eine wetterschützende Ebene ein großer Vorteil für die Sanierung. Denn die äußere Bekleidung lässt sich meist gut entfernen, ohne dass die Konstruktion dabei beschädigt wird. Lassen Sie dennoch die bestehende Holzkonstruktion von Fachleuten begutachten, um mögliche Schäden im Holz auszuschließen. Außerdem hat eine moderne Mineralwolldämmung nicht nur höhere Dämmstärken, sondern auch eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit. Dämmstoffe aus Mineralwolle haben deshalb meist auch eine leicht höhere Masse, wodurch es zu einer leicht erhöhten statischen Belastung der Holzkonstruktion kommen kann.

Welches Verfahren sich bei Ihrem Holzfertighaus letztlich eignet, und was vom Alten bestehen bleiben kann, hängt von vielen Faktoren ab: der Beschaffenheit der Bestandsfassade, der Qualität der dort eingebrachten, alten Baustoffe, den Querschnitten und der Statik der tragenden Holzkonstruktion. Ein Zimmermann, Statiker oder Bausachverständiger kann das am besten beurteilen.

Der geeignete Dämmaufbau mit Mineralwolle

Sie haben mehrere Möglichkeiten eines neuen Wandaufbaus mit einer Dämmung von innen, von außen oder beides kombiniert. Eine nachträgliche Dämmung von außen ermöglicht die Fassadensanierung bei bewohnten Gebäuden. Die Außendämmung ist bauphysikalisch und konstruktiv besonders optimal, weil sie Wärmebrücken vermeidet. Eine Innendämmung dagegen kommt vor allem in Frage, wenn das Fassadenbild selbst unverändert bleiben soll. Sowohl eine Außen- wie auch eine Innendämmung lassen sich mit einer neuen Gefachdämmung kombinieren, falls die alte Gefachdämmung ausgetauscht werden soll. So können Sie den Querschnitt der Wand auch bei größeren Dämmstärken schlank halten, was bei kleinen Innenräumen und Grundstücken, aber auch bei kurzen Dachüberständen und für den Erhalt alter Gebäudeproportionen sinnvoll sein kann.

Kombinierte Dämmlagen

Möchten Sie die alte Fassade erhalten oder die Wand gleich bis auf die Holzkonstruktion zurückbauen? Diese Frage entscheidet über geeignete Dämmalternativen. Bei erhaltenswerten Bestandsfassaden, vor allem bei einem Holzfachwerk, können Sie innen eine Vorsatzschale montieren. Alternativ lässt sich dies als Einblasdämmung oder mit Mineralwollmatten in der Vorsatzschale verbauen. Ist nur das alte Holzrahmenwerk, nicht aber die äußere Fassade erhaltenswert, dann können Sie die Wand bis auf die Holzkonstruktion zurückzubauen, das Gefach zur Dämmung nutzen und mit einer Außendämmung kombinieren. So erzielen Sie schlanke Außenwände, verhindern Wärmebrücken und haben viel Gestaltungfreiheit bei den Oberflächen.

Feuchtigkeit im Bauteil verhindern

Das Grundprinzip für den Holzbau „innen diffusionshemmend, außen diffusionsoffen“ verhindert, dass sich Feuchtigkeit im Bauteil staut und zu Bauschäden führt. Auf der Innenseite sollten also eine Dampfbremse oder dampfbremsende Bauteile, wie zum Beispiel OSB-Platten, das Eindringen von Wasserdampf in die Konstruktion reduzieren. Das verlangt Sorgfalt: Alle innenseitigen Anschlüsse und Stöße müssen dampfbremsend ausgeführt sein, entweder über korrekt verlegte und miteinander luftdicht verklebte, dampfbremsende Folien oder über OSB-Platten, deren Stöße sorgfältig verklebt sind. Anspruchsvoll sind dabei vor allem Installationen, die Sie durch die Wand und die dampfbremsende Ebene hindurchführen. Auch hier müssen die Durchbrüche sehr sorgfältig und luftdicht verklebt werden.

Was bedeutet diffusionsoffen?

Hinter der Dampfbremse, in der Konstruktions- und Dämmebene und der äußeren Fassadenebene muss eventuell auftretender Wasserdampf nach außen entweichen können. Das gelingt über einen diffusionsoffenen Wandaufbau. Als diffusionsoffen gelten Baustoffe mit einem Sd-Wert von <0,5. Mineralwolle ist ein diffusionsoffener Dämmstoff und daher für die Dämmung von Holzbauten sehr gut geeignet. Wasserdampf kann durch die Mineralwolldämmung nach außen dringen. Die Fassade muss nach außen durchgängig diffusionsoffen sein. Wichtig bei der diffusionsoffenen Fassade bleibt aber die diffusionshemmende Schicht auf der Innenseite.

Welches Fassadenmaterial ist diffusionsoffen?

Nicht nur das Bekleidungsmaterial selbst, sondern vor allem dessen Lage ist entscheidend. Von außen empfiehlt sich daher eine vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF), bei der die mit etwas Abstand vorgesetzte Bekleidung den Holzrahmenbau, die Holzunterkonstruktion und die Dämmung vor Wetter und Witterung schützt. Der Abstand und die darin zirkulierende Luft zwischen Bekleidung und Dämmung ermöglicht die Rücktrocknung auf den Außenflächen der Dämmung. Mit diesem Fassadenaufbau und einer Dämmung aus diffusionsoffener Mineralwolle wird Raumluftfeuchtigkeit durch die Fassade nach außen geleitet und die Holzkonstruktion vor Feuchteschäden geschützt. Außerdem können Sie bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade das Fassadenmaterial nach eigenem Geschmack wählen, die Beschaffenheit der Bekleidung ist dabei bauphysikalisch nicht entscheidend.

Gibt es einen optimalen Wandaufbau bei der Sanierung?

Der optimale Wandaufbau hängt von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt es zu beachten, dass Wasserdampf, der durch die Konstruktion diffundiert, sich nicht an der Außenseite der Holzkonstruktion abkühlen und als Kondensat an der Holzfläche sammeln sollte. Eine Gefachdämmung, dazu eine außenseitige Überdämmung der Holzrahmenkonstruktion und eine davor gehängte hinterlüftete Fassade ist platzsparend und bauphysikalisch optimal: Der Tauwasserpunkt verschiebt sich nach außen, weg von der Holzkonstruktion und hinter die Dämmebene, wo Feuchtigkeit durch Luftzirkulation abtrocknen kann. Bei davon abweichenden Konstruktionen, wie ein außenliegendes Wärmedämmverbundsystem, eine Innendämmung oder eine reine Gefachdämmung mit sichtbarer Holzkonstruktion, sollten Sie immer den Taupunkt und die geeignete Lage der Dampfbremse durch einen Bauphysiker berechnen lassen.

Optimaler Wärme-, Schall- und Brandschutz mit Mineralwolle

So individuell jedes Haus ist, so individuell ist jedes Sanierungsverfahren. Holzfertighäuser lassen sich meist gut sanieren, sowohl im Grundriss, als auch im Wand- und Dachaufbau. Neben der individuellen Beschaffenheit Ihres Gebäudes müssen Sie zudem die typischen Anforderungen für Holzbauten beachten. Dazu informiert das Holzbau Handbuch (Reihe 1, Holzrahmenbau) des Informationsdienstes Holz.

Ob Wand oder Dach – mit Mineralwolle können Sie jede der möglichen Dämmverfahren beim Holzfertighaus sicher durchführen. Dabei verbessern Sie nicht nur den Wärmeschutz im Winter und im Sommer, sondern ‒ und das ist bei Holzbauten besonders wichtig ‒ den Schall- sowie den Brandschutz.

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Das Budde-Haus, das 1948 in Frankfurt am Main vorgestellt wurde, war eines der ersten Fertighäuser im Nachkriegsdeutschland. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2005-0720-514

In Ost und West gab es bald Fertighäuser aus dem Katalog von Quelle und Genex (hier ein Genex-Haus von 1984): Das Eigenheim mit nur wenigen Tage Lieferzeit und ein kleines bisschen Gestaltungsfreiheit. Grundlage dafür war meist eine vorgefertigte Holzrahmen- oder Stahlskelettkonstruktion. Foto: wikicommons, Anrie

Der optimale Wandaufbau für Holzrahmenbauten, Bild: SchwörerHaus

 

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