Glaswolle ist ein Dämmstoff aus der Gruppe der Mineralwolle-Dämmstoffe. Sie wird überwiegend aus Recyclingglas und mineralischen Rohstoffen hergestellt und gehört neben Steinwolle zu den am häufigsten verwendeten Dämmstoffen in Europa.
Glaswolle verbindet Wärmeschutz, sommerlichen Hitzeschutz, Schallschutz und vorbeugenden Brandschutz in einem Material. Damit erfüllt sie zentrale Anforderungen moderner Gebäude an Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit.
Zugleich zeichnet sie sich durch ihr geringes Eigengewicht, ihre hohe Flexibilität und ihre guten Verarbeitungseigenschaften aus und eignet sich damit für zahlreiche Anwendungsbereiche im Hochbau, in der technischen Gebäudeausrüstung und in der Industrie.
Die Geschichte der Glaswolle reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Dem deutschen Erfinder und Techniker Friedrich Rosengarth gelang es erstmals, Glaswolle industriell herzustellen. Grundlage war das sogenannte Hager-Verfahren, bei dem flüssiges Glas über eine rotierende Scheibe zu feinen Fasern verarbeitet wird.
Die Idee entstand durch die Beobachtung der Herstellung von Zuckerwatte. Dabei wird eine heiße Masse durch Rotation zu feinen Fäden verarbeitet. Dieses Prinzip übertrug Rosengarth auf geschmolzenes Glas und schuf damit die Grundlage für die industrielle Herstellung von Glaswolle.
Die ersten Produkte aus Glaswolle wurden Mitte der 1930er-Jahre in Deutschland hergestellt. In den Anfangsjahren wurde Glaswolle teilweise auch als „Glaswatte“ bezeichnet. Heute wird Glaswolle weltweit für den Wärme-, Schall- und Brandschutz in Gebäuden, technischen Anlagen und industriellen Anwendungen eingesetzt.
Glaswolle wird überwiegend aus Recyclingglas und mineralischen Rohstoffen hergestellt. Zu den wichtigsten mineralischen Rohstoffen gehören neben Recyclingglas Quarzsand, Soda, und Dolomit. Der Anteil an Recyclingglas kann bis zu 80 Prozent betragen.[1]
Das eingesetzte Altglas stammt beispielsweise aus Fenstern, Flaschen, Fahrzeugglas oder anderem Glasbruch und wird durch spezialisierte Recyclingunternehmen aufbereitet. Weitere Rohstoffe und Zusatzstoffe können je nach Herstellungsverfahren variieren.
[1] FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e. V.: Umwelt-Produktdeklarationen für Mineralwolle-Dämmstoffe im niedrigen Rohdichtebereich, veröffentlicht im EPD-Programm des Instituts Bauen und Umwelt e. V. (IBU). https://ibu-epd.com/veroeffentlichte-epds/, abgerufen am 27. Juli 2026.
Als Bindemittel werden neben Reststoffen aus der Zucker- und Getreideindustrie auch duroplastische Kunststoffe eingesetzt.
Die Zusammensetzung beeinflusst die charakteristischen Eigenschaften von Glaswolle. Dazu gehören insbesondere ihr geringes Eigengewicht, ihre Flexibilität, ihre niedrige Wärmeleitfähigkeit und ihre schallabsorbierenden Eigenschaften.
In Deutschland werden jährlich mehrere Millionen Kubikmeter Glaswolle produziert. Für die Herstellung von Glaswolle werden Recyclingglas, Quarzsand, Soda, Kalkstein etc. zunächst bei Temperaturen von etwa 1.400 Grad Celsius geschmolzen. Anschließend wird die Glasschmelze in sogenannten Zerfaserungsanlagen zu feinen Glasfasern verarbeitet.
Dabei wird die Schmelze durch die Öffnungen eines schnell rotierenden Rings gedrückt. Ein zusätzlicher Gasstrom verfeinert die Fasern weiter. Danach werden sie mit geringen Mengen eines wasserlöslichen Bindemittels versetzt. Moderne Bindemittel bestehen heute häufig zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen.
Bei Bedarf können Glaswolle-Produkte zusätzlich wasserabweisend ausgerüstet werden. Nach der Aushärtung bei Temperaturen von etwa 200 Grad Celsius werden die Dämmstoffe in die gewünschte Form und Größe gebracht.
Aus einem Kubikmeter mineralischer Rohstoffe können, abhängig von der Rohdichte, bis zu rund 150 Kubikmeter Glaswolle-Dämmstoff hergestellt werden.[2] Produktionsreste und Verschnitt werden wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt.
Darüber hinaus kann Glaswolle für Transport und Lagerung stark komprimiert werden. Dadurch lassen sich Transportkapazitäten effizient nutzen, Verpackungsmaterialien einsparen und Lagerflächen reduzieren.
[2] Modellrechnung des FMI auf Basis angenommener Rohdichten von Rohstoffen und Glaswolle-Dämmstoffen. Die tatsächlichen Werte können je nach Produkt und Herstellungsverfahren variieren.
Die Umweltwirkungen von Glaswolle-Dämmstoffen werden in Umwelt-Produktdeklarationen, sogenannten Environmental Product Declarations (kurz: EPDs), dokumentiert. Sie machen die Umweltwirkungen eines Bauprodukts über definierte Lebenszyklusphasen transparent und können als Datengrundlage für die Bewertung von Bauprodukten und Gebäuden dienen. Weitere Informationen
Die Herstellung von Glaswolle ist mit Energieaufwand verbunden. Während der Nutzungsphase kann eine fachgerecht ausgeführte Dämmung aus Glaswolle jedoch dazu beitragen, den Heiz- und Kühlenergiebedarf eines Gebäudes langfristig zu reduzieren. Dadurch können auch die damit verbundenen CO₂-Emissionen sinken.
Die während der Produktion eingesetzte Energie und die CO2-Emissionen werden bereits nach sehr kurzer Zeit – oft innerhalb nur einer Heizperiode – durch die eingesparte Energie für Heizung und Kühlung vollständig amortisiert.[3]
[3] Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München (FIW München): Graue Energie und Graue Emissionen von Dämmstoffen im Vergleich zum Einsparpotential, Forschungsbericht FO-2020/06, München, 2020. Online abrufbar unter: https://buveg.de/wp-content/uploads/2021/09/202107019_FIW_GraueEnergie_vs._Einsparpotential.pdf, abgerufen am 27. Juli 2026.
Glaswolle zeichnet sich durch ihr geringes Eigengewicht und ihre hohe Flexibilität aus. Die elastische Struktur erleichtert die Verarbeitung und ermöglicht eine gute Anpassung an unterschiedliche Bauteilgeometrien.
Die Dämmwirkung von Glaswolle beruht – wie bei anderen Mineralwolle-Dämmstoffen – auf dem Prinzip der ruhenden Luft. Die ruhende Luft in den offenen Poren zwischen den Fasern leitet Wärme nur in geringem Maße weiter. So bleibt die Wärme im Winter länger im Gebäude, während sich Innenräume im Sommer weniger schnell aufheizen.
Gleichzeitig wird durch die offenporige Struktur Schall absorbiert und die Schallübertragung in Bauteilen reduziert. Dadurch eignet sich Glaswolle sowohl für den Wärmeschutz als auch für den Schallschutz.
Die Dämmleistung von Glaswolle wird insbesondere durch ihre Wärmeleitfähigkeit bestimmt. Glaswolle-Dämmstoffe erreichen je nach Produkt Wärmeleitfähigkeiten von etwa 0,030 und 0,040 W/(m·K). Diese Dämmwerte ermöglichen eine effiziente Wärmedämmung bei vergleichsweise geringem Materialeinsatz.
Glaswolle gehört zu den nichtbrennbaren Mineralwolle-Dämmstoffen und kann damit zum vorbeugenden baulichen Brandschutz beitragen. Die Einordnung in die Euroklasse A1 oder A2 dokumentiert ihr Brandverhalten.
Ebenso wie Steinwolle ist auch Glaswolle diffusionsoffen. Das bedeutet, dass Wasserdampf durch den Dämmstoff hindurchdiffundieren kann. Entscheidend für den Feuchteschutz ist dabei immer der fachgerecht geplante und ausgeführte Bauteilaufbau.
Je nach Produkt können Glaswolle-Dämmstoffe zusätzlich wasserabweisend ausgerüstet sein. Dadurch kann der Dämmstoff bei zum Beispiel bei Anwendungen in der Außenwand zuverlässig eingesetzt werden.
Als mineralischer Dämmstoff bietet Glaswolle zudem keinen geeigneten Nährboden für Schimmel und Fäulnis und ist nicht anfällig für Schädlingsbefall. So trägt sie zur dauerhaften Funktionsfähigkeit von Bauteilen bei.
Glas- und Steinwolle gehören beide zur Gruppe der Mineralwolle-Dämmstoffe. Sie verbinden Wärmeschutz, Schallschutz und vorbeugenden Brandschutz, unterscheiden sich jedoch in einzelnen Materialeigenschaften und typischen Einsatzbereichen.
Glaswolle zeichnet sich insbesondere durch ihr geringes Gewicht und ihre hohe Flexibilität aus. Steinwolle besitzt häufig eine höhere Rohdichte und bietet sich in Anwendungen an, in denen Anforderungen an Druckfestigkeit oder mechanische Belastbarkeit gestellt werden.
Für die Auswahl ist deshalb entscheidend, welche Eigenschaften in der jeweiligen Konstruktion gefordert sind.
Glaswolle wird in zahlreichen Bereichen des Hochbaus eingesetzt. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen gehören Dächer, Wände, Decken und Fußböden in Wohn- und Nichtwohngebäuden.
Typische Einsatzbereiche sind:
Auch in der technischen Gebäudeausrüstung und in industriellen Anwendungen kommt Glaswolle zum Einsatz. Dazu gehören beispielsweise:
Weitere Anwendungsbereiche sind Fertighauselemente, Solarsysteme sowie Anwendungen in Schiffen, Zügen und Flugzeugen.
Glaswolle ist in unterschiedlichen Lieferformen erhältlich. Dazu gehören Filze, Vliese, Matten, Dämmplatten, Rohrschalen und Einblasdämmstoffe.
So lässt sich Glaswolle in vielen Bauteilen und Konstruktionen einsetzen – im Neubau ebenso wie bei der energetischen Sanierung.
Mineralwolle-Produkte, zu denen auch Glaswolle gehört, unterliegen in Deutschland geltenden technischen sowie gesundheits- und sicherheitsbezogenen Anforderungen. Qualitätszeichen wie das RAL Gütezeichen „Erzeugnisse aus Mineralwolle“ und KEYMARK geben zusätzliche Orientierung bei der Auswahl geeigneter Produkte.
Das RAL Gütezeichen dokumentiert die Einhaltung der deutschen Freizeichnungskriterien für Produkte aus Mineralwolle. KEYMARK ist ein freiwilliges europäisches Zertifizierungszeichen und bestätigt, dass ausgewiesene Produkteigenschaften regelmäßig durch unabhängige Stellen geprüft und überwacht werden.
Für Planer, Bauherren und Hausbesitzer sind diese Kennzeichnungen eine wichtige Hilfe, um Qualität, Sicherheit und Produkteigenschaften von Glaswolle-Dämmstoffen besser einordnen zu können. Hinweise auf entsprechende Qualitätszeichen finden sich in der Regel auf dem Produktetikett oder in den Produktunterlagen des Herstellers.