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Zwischen Himmel und See – die Klosterkirche in Götschendorf

Eine Kirche ist mit jedem Detail die Verbildlichung von Glauben, Riten und Traditionen. Gleichzeitig steht sie in einem irdischen Hier und Jetzt, hat eine städtische oder ländliche Gegenwart, die es zu respektieren gilt. Wie beides perfekt zusammenpasst, zeigen Tchoban Voss Architekten bei einer Kirche in Brandenburg.

Die Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche beauftragte das Büro Tchoban Voss Architekten mit dem Bau einer Klosterkirche. Nicht irgendwo in Russland, sondern auf einem idyllischen, aber brachliegenden Seegrundstück im brandenburgischem Götschendorf. Das hatte die Diözese 2006 für einen symbolischen Euro gekauft, mit der Zusage, das vier Hektar große Grundstück Instand zu setzen. Sergei Tchoban sagt gegenüber german-architects.com: „In diesem Fall bestand die zusätzliche Herausforderung darin, ein russisch-orthodoxes Kirchengebäude in einen protestantisch geprägten Ort einzuschreiben.“

Die Kirche muss sowohl zu der Einfachheit und zum Selbstverständnis des ländlichen Brandenburgs passen, als auch zur byzantinischen Bautradition mit ihren vielen Kuppeln und ihrem Goldglanz ‒ Symbol für den Himmel, die Göttlichkeit und das ewige Licht. Tschoban Voss Architekten konzentrieren sich auf die wesentlichen Details byzantinischer Kirchbauten: Den quadratischen Grundriss (17m x 17m) ergänzen sie im Osten um drei Apsiden mit Kuppeldächern, davon dient die mittlere und größte als Altarraum. Im Westen liegt der Haupteingang, von einer Empore im Innern überdacht. Die Giebel öffnen sich zu allen Seiten und bilden mit ihren Firsten ein Kreuz aus, in dessen Mitte sich eine kleine Laterne mit Kuppeldach erhebt.

Dass all diese traditionellen Elemente zeitgenössisch erscheinen, hat viel mit der schlichten Fassade zu tun. Hier wählen die Architekten nämlich eine weiß-beige geschlämmte Ziegelfassade mit vertikalen Fensterschlitzen. Herausgeschobene Ziegel schmücken dezent die einfachen Bauteile: Mit Fensterfaschen, zweifachen Portalgewänden, Lisenen und Giebelgesimsen entsteht eine Ziegelarchitektur, die gleichermaßen typisch ist für Brandenburg, die dezent die byzantinischen Elemente aufgreift und die dabei eine zeitgenössische, moderne Sprache findet. Zudem galt es, die Kirche zu dämmen.

Eine Kirche dämmen

Konstruktion der Außenwände

Damit die Fassade wirklich zur Geltung kommen konnte, brauchte es technisch „unsichtbare“ Lösungen, vor allem für die Dämmung. Jeder größere Raum, wie hier der Kircheninnenraum, läuft Gefahr, viel Energie zum Kühlen und Heizen zu verbrauchen. Außerdem können sich bei hohen Räumen thermische Luftbewegungen unangenehm bemerkbar machen. Daher müssen Wände nicht nur gut gedämmt sein, sondern auch Temperaturen gut speichern und ausgleichen. Also ließen die Architekten die Außenwände der Kirche zweischalig mauern: Die innere, tragende Schale besteht aus 36,5 cm tiefen, gemauerten und verputzten Kalksandsteinen. Sie sorgt als latente Speichermasse für ausgeglichene Raumtemperaturen.

Den Zwischenraum füllten die Architekten mit einer 10 cm dicken Kerndämmung aus Mineralwolle (WLG 035). Die Kombination von Kalksandsteinen mit Mineralwollplatten ist bauphysikalisch besonders wirksam und sorgt für einen sehr hohen Wärme-, Brand- und Schallschutz. Die äußere Schale ist 11,5 cm dick und besteht aus schmalen Handformziegel. Sie sind im Wilden Verband und mit 1 cm Abstand zur Mineralwolldämmung verlegt und wurden anschließend weiß geschlämmt. Die Schlämme unterstützt nicht nur den monolithischen, handwerklichen Charakter der Fassade. Sie schützt die Ziegel auch vor Witterungseinflüssen. So bleibt das Mauerwerk sichtbar und dennoch geschützt.

Konstruktion von Turm und Dach

Der 26 m hohe Dachturm der Kirche, die Laterne, ist kompakt und damit leichter konstruiert: Hier bilden Porenbetonsteine die innere, 36,5 cm dicke Tragmauer. Davor liegt ein 11 cm dickes Wärmedammverbundsystem aus Mineralwolle. Das ist verputzt und mit 2 cm schmalen Riemchenklinkern verblendet. So passt der Turm optisch perfekt zu den Außenwänden.

Das gefaltete Dach und die insgesamt vier Kuppeln bestehen aus einem Holztragwerk mit 16 cm Holzsparren und mit einer Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle. Die Mineralwolle ist hier nicht nur für den Wärmeschutz, sondern als nicht brennender Dämmstoff für den Brandschutz des Holztragwerks sehr wichtig. Die Kirche zu dämmen hatte also gute Gründe. Auf den Sparren liegt eine 2,5 cm dicke Holzschale, die mit einer außen aufliegenden Bitumendachbahn abgedichtet ist. Darauf liegen die Konterlattung und die Lattung sowie abschließend die Eichenholzschindeln. Deren Grau-Verwitterung ist ein besonderer Clou der Architekten: So glänzen die Kirchenkuppeln auch ohne die typische Vergoldung in einem mystischen Licht ‒ silbergrau wie der Himmel und der See nebenan.

 

Baudaten:

Projekt: Neubau einer Russisch-Orthodoxen Klosterkirche

Adresse: Götschendorf 33, 17268 Milmersdorf-Götschendorf

Auftraggeber: Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche, Patriachat Moskau

BGF: 3.500 m² (davon Klosterkirche: 358 m², Herrenhaus: 26 Gästezimmer)

Fertigstellung: März 2017 (Klosterkirche; Herrenhaus und Nebengebäude bislang nicht realisiert) Architekt: Sergei Tchoban, Tchoban Voss Architekten

Projektpartner: Philipp Bauer

Projektleiter: Karsten Waldschmidt, Simon Bange (LPH 1-4, 6); Dirk Kollendt (LPH 5), Katja Fuks (LPH 6-8 und Bauherrenvertretung Klosterkirche); Team: Natalia von Krüchten, Ramona Schwarzweller, Ingo Schwarzweller

Statik: Büro für Planung und Statik, Dipl.-Ing. Thorsten Hoppe, Berlin

Elektroplanung: Zimmermann & Jung, Templin

Ausführende Firmen: KUSTE Baugesellschaft mbH, Herr Stephan jr.

Fotos: Lev Chestakov

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Die Kloster

Eine Kirche, zwei Welten: Die geschlämmte Ziegelfassade der Klosterkirche Sankt Georg orientiert sich an den typischen Backsteinbauten der Gegend; die Apsiden, Kuppeln und der Grundriss entsprechen der byzantinischen Baukultur.

Kirche dämmen: Für die Dämmung der Klosterkirche in Götschendorf wurde Mineralwolle verwendet.

Die Schindeln bestehen aus Eichenholz, das erst rötlich, dann grau-silbrig verwittert.

Die Klosterkirche Götschendorf wurde mit Mineralwolle gedämmt.

Für den optimalen Wärme- und Brandschutz kamen Mineralwollplatten zum Einsatz: als Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk und als Zwischensparrendämmung im Dach.

 

Alle Fotos stammen von Lev Chestakov.

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