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Stadthaus in Leipzig

Ruhe und Platz unterm Dach, Grün vor der Tür

Aufsparrendämmung aus Mineralwolle

Mit einem Stadthaus in Leipzig bewies das Planungsbüro sachsen-baut.de, dass ruhig, großzügig und grün wohnen auch mitten in der Stadt funktioniert, wenn die Grundrisse und die Konstruktion gut durchdacht sind.

In gefragten Städten gibt es einen Flächenkonflikt: Verdichten oder freiräumen? Die Stadt und ihre Bewohner brauchen die grünen Freiräume, um urbane Dichte gut auszuhalten und um den Klimawandel zu meistern – mit Bäumen, die Schatten spenden und Luft filtern, mit Windschneisen und einem Boden, der viel Regenwasser speichert. Aber die städtisch gebaute Dichte ist gleichzeitig der Herzschlag einer jeden Stadt.

Die Stadt Leipzig hat das erkannt und im ehemals dichten Reudnitz Fläche klug genutzt. Sie hat ausgediente Eisenbahnflächen in bester Lage zu einem Band aus Parks und Grünplätzen geknüpft, die den Leipziger Osten zu Fuß oder per Rad erschließen. Gleichzeitig fördert die Stadt den Erhalt und die Nutzung der dichten Gründerzeitbebauung und deren Nachverdichtung durch die Bebauung von Baulücken. So entsteht urbane Dichte bei gleichzeitig viel Freiraum.

Maximale Fläche in dichter Bebauung

An diesem Grünband, am preisgekrönten Lene-Voigt-Park, bebauten die Planenden von sachsen-baut.de eine Baulücke. Als sich der Bauherr 2015 für dieses Projekt entschloss, lag sein Fokus auf multifunktionalen Räumen für Familien sowie zum Wohnen und Arbeiten. Es entstanden großzügige Etagenwohnungen, die sich in zwei Nutzungsbereiche unterteilen lassen.

Die Kunst dabei war, Fläche und Fassade in Einklang zu bringen: „Wir wollten natürlich die Fläche maximal ausreizen, um den Bau wirtschaftlich zu machen“, sagt die Architektin Melanie Ebert-Exner. Es brauchte nicht nur die bei den Nachbargebäuden üblichen fünf Wohngeschosse, sondern auch noch Platz für Stellplätze, Abstell- und Technikräume, die sich bei den Nachbarn im Keller befinden. Ein Kellergeschoss aber kam nicht in Frage.

Die Planenden verzichteten deshalb auf das im Stadtviertel übliche Hochparterregeschoss, das für sie viele Nachteile bringt. Die Architektin erklärt: „Es vermietet sich meist schlechter und verkompliziert eine barrierefreie Erschließung“. Stattdessen belegten sie das ebene Erdgeschoss mit Stellplätzen und Nebenräumen und reduzierten hier die Raumhöhe auf ein Minimum. So erhielten sie ein niedriges Eingangsgeschoss und mehr Platz für die Wohngeschosse darüber. In der Gestaltung und Farbigkeit der Fassade folgten die Planer der Dreiteilung der Nachbarbauten in Sockel-, mittlere Wohngeschosse und ein Dachgeschoss.

Komplexe Dachgeometrie meistern

Für die Konstruktion der Geschosse wählten die Planenden Porenbeton, das Dachgeschoss ließen sie mit Holzständerwänden und einem Holzdachtragwerk errichten. Sie wählten eine 120 mm starke Aufsparrendämmung aus Mineralwolle, weil „sich die Maisonettewohnungen mit sichtbaren Dachbalken von den üblichen Dachausbauten unterscheiden sollten“. Auf den Innenflächen des Daches zeichnen sich jetzt die Nadelholzbalken des Dachtragwerks ab.

Die Dachkonstruktion ist komplex geschnitten: Für eine gute Wohnqualität wählten die Architekten ein Satteldach mit ausgeschnittenen Dachterrassen. Zur nördlichen Gartenseite schufen sie mit einer großen Gaube und Flachdach mehr nutzbaren Wohnraum. Auf die Sparren montierten die Dachdecker zunächst eine Holzschalung, darauf eine Dampfbremse und dann eine Mineralwolldämmung WLG 032 mit aufkaschierter Unterdeckbahn. Das ersparte den Arbeitsschritt einer gesonderten Montage der Unterdeckbahn und beschleunigte insgesamt die Dämmarbeiten trotz des komplexen Dachzuschnitts.

Brand- und Schallschutz mit Mineralwolle

Die Aufsparrendämmung mit Mineralwolle bietet in dem dichten Stadtgefüge einen sicheren Brandschutz, denn die außen aufgelegte Mineralwolle ist nichtbrennbar und schützt den Holzdachstuhl zuverlässig vor Brandüberschlag von angrenzenden Gebäuden. Auch beim Schallschutz bietet die außen aufgelegte Mineralwolle einen optimalen Lärmschutz, dank spezieller Gewindeschrauben gelingt die Befestigung der Konterlattung ohne Schallbrücken.

Im Innern jedoch machten Brand- und Schallschutz den Planern etwas mehr Kopfzerbrechen. Ebert-Exner erklärt: „Wir wollten die gleiche Wohnqualität für beide Wohnungen“. Also belegten sie die oberen beiden Geschosse mit zwei Maisonettewohnungen. Damit jede Wohnung einen Zugang zum Treppenhaus hat und im Innern eine platzsparende, einläufige Treppe erhält, tauschten sie die oberen Geschosse der beiden Maisonettes gegeneinander. Das aber bedeutete, dass die Dachkonstruktion über zwei Wohneinheiten verläuft und entsprechend einen brand- und schallgeschützten Bauteilanschluss benötigt.

Die Architekten planten eine Wohnungstrennwand mit einem doppelten Ständerwerk, mit zweimal 4 cm Mineralwolle gedämmt und beidseitig mit Feuerschutzplatten beplankt. Ebenso am First, wo sie mit zwei Lagen Mineralwolle den Anschluss der Firstpfette an die Dachkonstruktion brandschutzsicher ausführten. Wo die Trennwand an die Dachflächen anschließt, füllten sie den Sparrenzwischenraum unterhalb der Innenverkleidung mit Mineralwolle auf.

Mit ihrem Stadthaus in der Charlottenstraße schufen die Planenden maximalen Wohn- und Parkplatzraum auf kleiner Grundfläche und mit angepasster Dachhöhe. So entstanden durchlichtete und ruhige Familienwohnungen im grünen Leipziger Osten.

 

Baudaten:

Beginn Planung:      07/2015

Baugenehmigung:  04/2016

Beginn Bau:               08/2016

Fertigstellung:          04/2018

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Die beiden oberen Geschosse wurden als Maisonette geplant… Bild: sachsen-baut.de

…mit gegeneinander vertauschten Obergeschossen. Bild: sachsen-baut.de

Schnitt durchs Gebäude. Bild: sachsen-baut.de

Der Anschluss der Firstpfette an die Dachkonstruktion ist brandschutzsicher mit zwei Lagen Mineralwolle aufgedoppelt. Bild: sachsen-baut.de

Die Wohnungstrennwand und deren Anschluss an die Dachinnenfläche ist ebenfalls mit Mineralwolle vor Brand- und Schallübertrag geschützt. Bild: sachsen-baut.de

Die Dampfbremse muss auch an durchdringende oder aus der Dachebene ragende Bauteile wie Attika und Terrassenbrüstung luftdicht anschließen. Foto: Ursa

Das Dach ist komplex geformt mit vielen Dachfenstern, zwei Dachterrassen und einer Veränderung des Neigungswinkels. Foto: Ursa

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