Mineralwolle | Glaswolle | Steinwolle | Wärmedämmung | Lärmschutz | Brandschutz | Dämmstoff | Dämmen | Energiesparen

Unter einem Dach

Zwei Mehrfamilienhäuser aus Holz und Mineralwolle, gebaut von Arc Architekten, zeigen, was möglich ist, wenn Gemeinden den Mut haben, neue Wege zu bestreiten: Das Projekt ist ökologisch, sozial und günstig, beteiligt die Nachbarschaft und verhindert den spekulativen Ausverkauf von Flächen.

Der Starnberger See ist ein Traum: Die tiefgrünen Wiesen wellen sich bis zum Ufer und hinter der glitzernden Wasserfläche hinauf bis zu den schneebedeckten Alpen. München ist nur wenige Autominuten entfernt. Die Orte um den See gehören deshalb zu den gefragtesten und teuersten Wohnregionen in Deutschland. Beste Voraussetzungen für einen Bauboom, Immobilienspekulation, für Flächenfraß und eine Verdrängung der Einheimischen. Dagegen wehrt sich die kleine Gemeinde Münsing. Sie erarbeitete mit Hilfe ihrer Bürgerinnen und Bürger ein Leitbild für die zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinde sowie daraus resultierende konkrete Rahmenpläne. Münsing soll demnach nicht nur nachhaltiger werden, sondern auch mehr und bezahlbaren Wohnraum für die eigene Bevölkerung bieten. Dieser soll an die regionale Bautradition anknüpfen, ökologisch und flächensparend sein. Dass sich all das vereinbaren lässt und auch noch gut aussieht, zeigt ein Wohnprojekt in Holzbauweise mit Mineralwolle, gebaut von Arc Architekten.

Entwurf sucht Baufamilien

Die Gemeinde hatte ein Grundstück am südwestlichen Ortsrand gekauft. Sie wollte hier eigentlich Baufelder für Einfamilien- und Doppelhäuser anbieten. Die Bauweise mit eigenem Grundstück ist zwar das Ideal der meisten Bauherren, wäre aber zu teuer für viele Alteingesessene und zu flächenfressend für das Münsinger Leitbild. Es gab daher Proteste. Die Gemeinde wandte sich an Arc Architekten, ein etabliertes Planungsbüro mit einer besonderen Expertise fürs Bauen auf dem Land und für die ländliche Entwicklung. Stefan Kohlmeier, Partner bei Arc Architekten, erinnert sich: „Im Gemeinderat diskutierte man darüber, wie Wohnraum sozialer, günstiger und regional typischer aussehen kann und stellte fest, es muss erst einmal ein Rahmenplan her, der die konkreten Kriterien dafür festlegt.“

Das taten die Architekten und orientierten sich dabei am Bestand der Gemeinde, konkret am alten, abgerissenen Pallauhof. „Der hatte ein sehr langes Dach, das Stallungen, Scheune und Wohnräume vereinte“, erklärt der Architekt und ergänzt: „Die Idee der verschiedenen Nutzungen dicht unter dem langen Dach ging in den Rahmenplan ein.“

Dann entwickelten die Architekten einen konkreten Bebauungsplan und einen Entwurf. Mit diesem suchten sie in einer Bürgerversammlung Bauwillige, die sich als Baugemeinschaft am Projekt beteiligen, um dann als Eigentümer für mindestens zehn Jahre selbst einzuziehen. Hier brauchte also nicht die Baugemeinschaft ein Grundstück und einen Entwurf, sondern ein Entwurf samt Grundstück eine passende Baugemeinschaft. „Es war der umgedrehte Weg“, sagt Kohlmeier: „Die Gemeinde gab uns ein Jahr Zeit, um mindestens 60 Prozent der Wohnfläche an Einheimische zu vergeben.“ Kein Problem, die Nachfrage war groß, so dass am Ende 78 Prozent der Fläche an Einheimische vermittelt werden konnten. Erst mit der neuen Eigentümergemeinschaft ging es in die weitere Ausbau- und Ausführungsplanung und den Bau.

Wohnen unter einem Dach

Die Architekten entwickelten entsprechend der Dimensionen des alten Pallauhofes einen 42 und einen 52 Meter langen Baukörper, beide je 13 Meter tief. Darin reihen sich jetzt 24 Wohneinheiten. Die Einheiten haben überwiegend die gleiche Breite von 5,5 Metern, variieren aber im Grundriss, in der Größe und Geschosszahl. So konnten die Architekten die Wohnungen an den individuellen Platzbedarf anpassen. Es gibt Singlewohnungen mit zwei Zimmern auf einer Etage bis hin zu großen Familienwohnungen mit fünf Zimmern über drei Etagen.

Die Grundrissvielfalt im festgelegten Raster ermöglicht eine diverse Nachbarschaft für unterschiedliche Bedürfnisse, zugleich aber auch eine serielle und daher günstige Bauweise. Das war eine Voraussetzung für das Gelingen des Projektes, wie Kohlmeier weiß: „Die Dichte wird vor allem dann gerne in Kauf genommen, wenn sie die Baukosten reduziert. Deshalb haben wir die Schottenbauweise gewählt und einen sehr günstigen Ausbaustandard angeboten.“ Die Baukosten für die Standardwohnung lagen bei nur 1.864 Euro je m² Wohnfläche (KG 300+400)[1], bei individuellen Wünschen wurden Einheiten teurer.

Holztafelbauweise mit Mineralwolle

Die Architekten entschieden sich bei den Wohnungstrennwänden für eine Holztafelbauweise mit einer Dämmung aus Mineralwolle. Kohlmeier begründet das: „Diese Bauweise war einfach schall- und brandschutztechnisch der beste Weg.“ Die Wand- und Deckenelemente aus Holz ließen sie bei einer erfahrenen Holzbaufirma aus Vorarlberg anfertigen. Die Wohnungstrennwände sind zweischalig aufgebaut und haben eine Dicke von 32 cm. Das hat statische Vorteile, weil sich jede Nutzungseinheit wie bei einem Modulbau selbst trägt. Die 10 cm starken Holzrahmenwände sind jeweils mit Mineralwolle voll ausgedämmt und raumseitig zweifach mit Gipsfaserplatten beplankt. Der Luftraum zwischen den Wänden ist zusätzlich mit 4 cm Mineralwolle vollflächig hinter dem Gefach gedämmt. Der Architekt sagt: „So war auch der Schallschutz sehr gut machbar und trotzdem wirtschaftlich.“

Ebenso der Brandschutz im Holzbau ist mit Mineralwolle sehr hoch: Die Gipsfaserplatten der zweischaligen Trennwand haben eine F30-Qualität. Vor allem aber verhindert die nichtbrennbare Mineralwolle im und hinterm Gefach den Brandüberschlag von einer Einheit in die nächste. Besondere Aufmerksamkeit im Holzbau brauchen die Details, damit Schall- und Brandschutz erfüllt sind: Viele Anschlussdetails wie die Stöße zwischen den Holzbalkendecken und deren Anschlüsse an die Wohnungstrennwände sind mit Mineralwolle gedämmt. Unter den Wohnungstrenndecken hängen federnd Dreischichtholzplatten, die mit Mineralwolle hinterlegt sind. Schall- und Brandschutz gehen auch hier Hand in Hand. Der Brandschutz im Holzbau ist dank Mineralwolle kein Problem, auch Kohlmeier sagt: „Wir bauen gerade das Bettenhaus einer Rehaklinik und erzielen dabei in gleicher Bauweise eine Brandschutzqualität von F60.“

Zeitgemäße Holzarchitektur

Für eine Konstruktion aus Holz spricht nicht nur die Ökologie, sondern konkret in diesem Projekt auch die Ästhetik der regionalen, alten Bauernhäuser: Diese haben oft einen Steinsockel, ein Obergeschoss aus Holz und Holzbalkone unter tiefen Dächern. So betonen auch die Architekten die unterschiedlichen Geschosse: Die Erdgeschosse haben große Glasflächen, die weite Aus- und Einblicke ermöglichen. Die Obergeschosse mit ihren Schlaf- und Kinderzimmern liegen dagegen hinter Holzbalkonen und einer hölzernen Spalierwand versteckt. Auf den Stirnseiten haben die Gebäude wie lokal üblich eine vertikale Holzverschalung, die mit der Zeit vergraut.

Die beiden Dächer wirken mit ihren seitlich geschlossenen, ruhigen Dachflächen wie die vielen, alten Scheunendächer der Umgebung. Nur je ein längs durchlaufendes Oberlicht bringt Licht in die Tiefe des Gebäudes. So schön die alten Bauernhäuser fürs Landschaftsbild sind, im Innern bevorzugen die meisten Menschen mehr Licht, Weite und Flexibilität. Der Standardausbau sah daher Eichenparkett, weiß gestrichene Leichtbauwände und helle Decken vor ‒ eine zeitgemäße und nicht zu rustikale Wohnatmosphäre.

Preisverdächtig beim Ressourcensparen

Auch energetisch sind beide Gebäude zeitgemäß. Die Holzrahmenkonstruktion ist optimal auf passive Energiegewinne ausgelegt: mit hochdämmender Mineralwolldämmung, großen Glasflächen und Schatten spendenden Balkonen, Dächern und Spalieren. Dazu kommt eine nachhaltige Gebäudetechnik mit Anschluss an die kommunale Nahwärmeversorgung, betrieben mit Holzhackschnitzel.

Das Projekt erhielt für seine ökologische und soziale Architektur, für die nachhaltige Projektentwicklung und als Lösung gegen Immobilienspekulation in Zuzugsregionen mehrere Auszeichnungen, unter anderem den KfW Award 2021 für Neubauten.

[1] Kosten für Gebäude und Gebäudetechnik (von Baugrube über Konstruktion, Ausbau, technische Anlagen)

Baugemeinschaft Münsing | Blick auf Wohnanlage | Der Dämmstoff | Foto von Arc Architekten

Arc Architekten bauten die Holzarchitektur in Anlehnung an die zweigeschossigen Bauernhäuser der Region. Foto: Arc Architekten

Baugemeinschaft Münsing | Dach | Der Dämmstoff | Skizze von Arc Architekten

Wichtig dabei ist vor allem das lange Dach, das seit jeher auf oberbayerischen Bauernhöfen verschiedene Nutzungen zusammenbindet. Skizze: Arc Architekten

Baugemeinschaft Münsing | Blick auf Wohnräume | Der Dämmstoff | Foto von Vinzenz Dufter (Bay. Landesverein f. Heimatpflege)

Privatheit in der Dichte: Unten offene Glasflächen, wo allgemeine Wohnräume liegen. Oben mit einem Spalier die Schlafräume. Das ermöglicht je nach Perspektive mal mehr, mal weniger Ein- und Ausblick. Foto: Vinzenz Dufter (Bay. Landesverein f. Heimatpflege)

Für die nachhaltige Architektur, die soziale Durchmischung, die beispielhafte Projektentwicklung und den günstigen Wohnraum, der so geschaffen werden konnte, wurde das Projekt mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem KfW Award Neubauten 2021. Foto: KfW Award Bauen 2021_Christian Morgenstern

Für die nachhaltige Architektur, die soziale Durchmischung, die beispielhafte Projektentwicklung und den günstigen Wohnraum, der so geschaffen werden konnte, wurde das Projekt mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem KfW Award Neubauten 2021. Foto: KfW Award Bauen 2021_Christian Morgenstern

Baugemeinschaft Münsing | Wohnungen | Raster | Der Dämmstoff | Zeichnung von Arc Architekten

Das strenge Raster mit 5,5 m Breite ermöglicht eine serielle, günstige Produktion der Holztafelelemente und einen hohen Grad an Vorfertigung. Innerhalb der Einheiten aber gibt es passend zu den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr unterschiedlich große Wohnungen. Zeichnung: Arc Architekten

Baugemeinschaft Münsing | Wohnungstrennwand | Der Dämmstoff | Zeichnung von Arc Architekten

Der Schall- und Brandschutz im Holzbau sind hier dank doppelschaligem Wandaufbau, einer Dämmung aus Mineralwolle und einer Beplankung mit Gipsfaserplatten kein Problem. Zeichnung: Arc Architekten

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten: