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Stahlhart mit Stahlhaut

Der Neubau eines Feuerwehrzentrums in Köln-Kalk, geplant von Knoche Architekten, überzeugt mit einer hohen Funktionalität und einer robusten Fassadenarchitektur mit Mineralwolle. Und weil beides auch gestalterisch richtig gut gelöst ist, erhielt das Bauwerk mehrere Architekturauszeichnungen. Von einem Gebäude, das unter die Stahlhaut geht.

Die Fläche war schon lange leergeräumt. Einst stieß hier die Chemische Fabrik Köln-Kalk dicke Rauchschwaden aus ihren Spargelschloten. Nach deren Abriss 1996 wurde die Erde meterdick abgetragen und mühsam von Altlasten befreit. Ab 2001 wurde im Veedel gebaut, das Polizeipräsidium nebenan, ein Einkaufszentrum, ein Baumarkt und ein paar Wohnhäuser. Aber auf dem engen, verlärmten Gleisdreieck an der westlichen Spitze der Industriebrache gähnte weiter die staubige Leere. Bis 2019. Bis Knoche Architekten aus Leipzig die Lücke mit einem Bauprojekt füllten und damit eine logistische Mammutaufgabe lösten und mehrere Architekturpreise abräumten. Es entstand das Feuerwehrzentrum Köln-Kalk.

Ein optimaler Grundriss für viele Funktionen

Als das Büro 2012 den Wettbewerb um den Neubau gewann, hatte es bereits einige kleinere Gruppenwachen gebaut. Trotzdem war die Wache in Köln eine Herausforderung, wie Projektleiter Jan Hauschildt berichtet: „Nicht nur das Grundstück war schwierig, es kamen auch funktional sehr differenzierte Anforderungen zusammen.“ Unter einem Dach entstand die gesamte Infrastruktur für die 200 Personen große Feuerwache der Berufsfeuerwehr von Kalk, für die freiwillige Feuerwehr mit ca. 30 aktiven Mitgliedern, sowie für ein Materiallager und ein Werkstattzentrum mit zentraler Kfz-Werkstatt, das als Prototyp alle bisher über die Stadt verteilten Werkstätten der Feuerwehr an diesem Ort zusammenbringt. Hier werden rund 350 Einsatzfahrzeuge gewartet und etliche Geräte Instand gehalten. Außerdem braucht es einen ausreichend großen Hof, um mit mehreren Fahrzeugen zu rangieren. Dieses sehr umfangreiche Raumprogramm bestimmte den Entwurf. Trotzdem sagt Hauschildt: „Es blieb noch viel Gestaltungsspielraum.“

Die Architekten entwickelten den Grundriss um einen zentralen Innenhof. Auf der kurzen Straßenseite liegt das fünfgeschossige Gebäude der Berufsfeuerwehr, mit einer Fahrzeughalle im Erdgeschoss und Verwaltungs-, Schulungs-, Schlaf- und Kantinenräumen sowie einer Sporthalle in den Obergeschossen. Dahinter schließt eine weitere Fahrzeughalle die Ostseite des Areals. Im Norden liegt die Kfz-Werkstatt, im Westen alle weiteren Werkstätten und die Räume der freiwilligen Feuerwehr sowie der Schlauchturm.

Die Fassade aus feuerverzinktem Stahl

Die Architektur für eine Feuerwehr braucht eine gewisse Robustheit. Daher wählten die Architekten eine im Innern sichtbare Betonstruktur, Industrieböden und Stahl. Bei der Fassade entschieden sie sich für vorgehängte Stahlblechtafeln. Vertikale Lisenen strukturieren die Fassadenfläche. Hauschildt erklärt: „Die Lisenen sind das Geheimnis der Fassade. Sie schaffen Ordnung auf den Flächen und geben mit dieser übergeordneten Struktur die Freiheit, auf unterschiedlichste Räume zu reagieren.“ Die Architekten überziehen die Geschosse mit jeweils einem eigenen Rhythmus aus Lisenen. Dahinter setzen sie Fensteröffnungen dort, wo und in welcher Größe sie für die Nutzung notwendig sind. Die Fassade hängt an einer Aluminiumunterkonstruktion, weil diese sich leichter bohren lässt und deshalb gewisse Toleranzen bei der Montage ermöglicht. Die Vertikalprofile erscheinen außenseitig als Rechteck-Hohlprofile aus eloxiertem  Aluminium, welche als Lisenen das Fassadenraster rhythmisieren.

Die 3 mm starken Fassadenplatten aus Stahl wurden vorgebohrt und feuerverzinkt und blieben danach unbehandelt. So erhalten sie nicht nur den erforderlichen Korrosionsschutz, sondern auch eine lebendige, matte Farbigkeit, die so robust und beständig ist, wie man es eben vom Wesen einer Feuerwehr erwartet. Ein besonderer Effekt entsteht durch die Materialkombination, wie Hauschildt sagt: „Während das Zinkblech stumpf verwittert, bleiben die Lisenen aus Aluminium glänzend und lenken das Licht auf die Fassade.“

Höchster Brandschutz mit Mineralwolle

Die Fassade ist also sehr langlebig, auch durch die Wahl eines langlebigen Dämmstoffes. Eine Dämmebene aus 16 cm starken Mineralwollplatten ist auf die Betonwände verschraubt, nur punktuell durchbrochen von thermisch entkoppelten Wandhaltern der Unterkonstruktion. Das optimiert die Energiebilanz und den Schallschutz. Hinzu kam ein weiterer wichtiger Aspekt, wie Hauschildt sagt:

„Die Mineralwolldämmung war ein expliziter Wunsch der Bauherren. Als Feuerwehrleute kennen sie die Bedeutung einer nicht brennbaren, mineralischen Dämmung für den sicheren Brandschutz in der hinterlüfteten Fassade.“

Dass der Brandschutz in einer Feuerwache höchste Priorität hat, ist selbsterklärend, die dafür notwendige Mineralwolldämmung ebenso. Alles in allem zielen die Architekten mit ihrer Wahl robuster Materialien und Konstruktionsweisen auf eine lange Nutzungsdauer von Fassade und Gebäude. „Wir rechnen mit einer Standdauer der Fassade von etwa 80 Jahren,“ sagt Hauschildt. Dann könnte das Gebäude nur mit dem Austausch der Stahlplatten in einen zweiten Lebenszyklus gehen. Das ist stahlstark!

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Der fünfgeschossige Baukörper an der Straße beinhaltet die Infrastruktur der Berufsfeuerwehr, dahinter folgen, um einen Hof gruppiert, eine weitere Fahrzeughalle, Werkstätten, die Räume der freiwilligen Feuerwehr und der Schlauchturm. Foto: Roland Halbe

Der Rhythmus der Lisenen hält die Fassade zusammen, strukturiert die großen, langen Flächen und ermöglicht in der Ebene viel Gestaltungsfreiraum. Foto: Roland Halbe

Auch im Innern der Feuerwache gilt: Robuste Materialien können sehr elegant anmuten. Foto: Roland Halbe

Schwierige Dreiecksbeziehung zwischen Gleisen und harter Baukante: Knoche Architekten entwickelten das Gebäude aus seinen Funktionen heraus und schufen dabei einen richtig guten Städtebau. Plan: Knoche Architekten

Absolut brandgeschützt: Die Feuerwehr wünschte sich explizit eine Dämmung aus nichtbrennbarer Mineralwolle. Die Konstruktion besteht aus Aluminium, die Bekleidung aus feuerverzinkten Stahlblechtafeln. Pläne: Knoche Architekten

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