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Heimische Ruhe – Teil 2

Wie Sie mit schalldämmenden Bauteilen aus Mineralwolle (Steinwolle und Glaswolle) Ruhe im Homeoffice schaffen, wenn die Nachbarn mal lauter sind.

Im ersten Teil des Beitrags „Heimische Ruhe“ erklärten wir den richtigen Einsatz von Wand- und Deckenabsorbern und Akustiksegeln aus Mineralwolle (Glaswolle und Steinwolle) sowie von schalldämpfenden Büromöbeln mit Mineralwolle-Polstern. Das bringt viel Ruhe in den Raum. Nicht aber in die Baustruktur. Denn aus benachbarten Wohneinheiten und Räumen kann Lärm über die Wände und Decken als Körperschall bis zu Ihrem Arbeitsplatz gelangen. Was Sie dagegen tun können, verraten wir Ihnen hier.

In der Masse liegt die Ruhe.

Erst bei einem Ruhepegel im Arbeitsraum von unter 40 dB ist konzentriertes Arbeiten überhaupt möglich. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA-Empfehlung 103, 2018) für die Trennwand zu Ihrem Arbeitszimmer samt der flankierenden Bauteile ein Schalldämm-Maß von R‘w 47 dB zu eigenen Nachbarräumen, bzw. sogar R‘w 72 dB zur Nachbarwohnung und fremden Arbeitsräumen. Ein hohes Schalldämm-Maß also, das durch das trennende Bauteil und die flankierenden Bauteile und deren Anschlüsse beeinflusst wird. Ein hohes Schalldämm-Maß erreichen vor allem Bauteile mit viel Masse, einem Masse-Feder-Masse-Aufbau und einer Dämmung aus Mineralwolle. Dr. Thomas Tenzler, Geschäftsführer des FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V. (FMI), sagt:

„Mineralwolle wirkt durch ihre Offenporigkeit und biegeweiche, federnde Beschaffenheit hoch schalldämmend.“

Vorsatzschale mit Mineralwolle

In der Praxis haben Sie auf benachbarte Wohnungen oder ungünstige Baukonstruktionen in der Regel keinen Einfluss. Sie können trotzdem mit Mineralwolle den Schalldämmwert von Raumtrennwänden und damit die Raumakustik erheblich verbessern. Dr. Thomas Tenzler sagt: „Hier bietet der Trockenbau mit einer Mineralwolldämmung hocheffiziente und schlanke Schallschutzlösungen, die sich auch im Bestand gut und schnell nachrüsten lassen.“ Die nachträgliche Dämmung einer in Ständerkonstruktion gebauten Raumtrennwand mit Mineralwolle und eine neue Beplankung mit Akustikplatten kann hier zusätzlich akustischen Schall mindern.

Auch wenn Sie als Mieter oder aus Kostengründen die Baustruktur selbst nicht antasten können, bleibt Ihnen ein Handlungsspielraum: Sie können zum Beispiel die bestehende Wand um eine entkoppelte, mit Mineralwolle gedämmte Vorsatzschale ergänzen und so eine Konstruktion mit Masse-Feder-Masse herstellen. Die Vorsatzschale sollte mindestens 4 cm Abstand zur Bestandswand haben. Sie besteht aus einer Metall- oder Holzständerkonstruktion, einer vier bis sechs Zentimeter starken Dämmung aus Mineralwolle und einer akustisch wirksamen Bekleidung, je nach Anforderungen z.B. eine doppelte Beplankung mit speziellen Akustikplatten (2 x 12,5 mm). Der Vorteil für Mieter: Die Vorsatzschale ist reversibel und kann bei Bedarf wieder ausgebaut werden, ohne Schäden am Gebäude zu verursachen.

Entkoppeln!

Achten Sie bei der Vorsatzschale unbedingt auf entkoppelte Anschlüsse und dichte Fugen: Die Profile und die Bekleidung der Wandkonstruktion brauchen eine 5 mm breite Fuge zu flankierenden Bauteilen. Verlegen Sie also zwischen den Profilen und den flankierenden Bauteilen (Wand, Boden, Decke) Streifen aus Mineralwolle. Verlegen Sie anschließend die schalldämmenden Mineralwollplatten dicht und lückenfrei in die Konstruktionsfelder zwischen die Profile. Dann montieren Sie die Beplankung. Die beiden Plattenebenen einer doppelten Beplankung sollten jeweils im Verband und gegeneinander versetzt erfolgen, damit keine durchlaufenden und übereinanderliegenden Stöße entstehen. Die Plattenstöße sollten Sie dann sorgsam verspachteln.

Verschließen Sie zum Schluss die Fuge zwischen Bekleidung und Bauteil luftdicht mit elastischem Fugenkit. Nur so erhalten Sie entkoppelte Anschlüsse und verhindern, dass der Schall bzw. die Bewegung der Schallwellen über flankierende Bauteile wie Deckenkonstruktionen auf die Schale und den angrenzenden Raum übergeht. Außerdem sollte die schallschützende Trennwand immer möglichst an die Rohkonstruktion anschließen, damit keine verputzten Deckenunterseiten oder durchlaufende Bodendielen den Schallschutz der Wand mindern. Das ist oft im Bestand so nicht realisierbar. Hier hilft es, den Bodenbelag und die Deckenbekleidung, sofern möglich, nachträglich im Bereich der Trennwand einzuschneiden, auf diese Weise zu entkoppeln und mit einer elastischen Fuge neu zu verbinden. Beachten Sie auch, dass sämtliche Installationsdurchlässe wie Steckdosen oder Kabeldurchführungen die Schalldämmung der Vorsatzschale mindern und deshalb für eine bessere Raumakustik vermieden oder zumindest ausreichend mit dem Material Mineralwolle hinterdämmt werden sollten.

Lärm aus der Tiefe der Baukonstruktion

Je größer der Abstand der Schale zur Bestandswand ist, desto niedriger ist die Resonanzfrequenz und desto größer wird meist das Schalldämm-Maß der Ständerwand. Anders gesagt, große Hohlräume dämpfen mehr. Mit der mit Abstand montierten und mit Mineralwolle gedämmten Vorsatzschale können Sie Luftschall aus benachbarten Räumen wie Gespräche und Musik gut dämpfen. Tieffrequenter Tritt- und Körperschall könnte aber weiter stören. Denken Sie etwa an den für alte Holzbalkendecken typischen Trittschall aus der höheren Etage. Für mehr Ruhe können Sie hier angrenzende Bauteile analog zur Vorsatzwand dämmen, z.B. mit gefedert abgehängten Decken aus Mineralwolle. Auch Kantenabsorber aus Mineralwolle können hier eine Alternative darstellen. Sie verdecken den Decken-Wand-Anschluss und mindern an dieser sehr neuralgischen Linie auch den tieffrequenten Tritt- und Körperschall, der über flankierende Bauteile und Fugen in den Raum gelangt. Zudem reduzieren Kantenabsorber die Reflektion von Schallwellen von rauminternen Geräuschen, die sich in den Raumkanten überlagern.

Suchen Sie also immer nach der Ursache von Lärm, seinen Übertragungswegen und denken dabei stets auch an die flankierenden Bauteile. Grundsätzlich gilt immer: Der Schallschutz ist nur so gut wie das schallschutztechnisch schwächste der angrenzenden Bauteile. Immer müssen alle flankierenden Bauteile mitberechnet werden. Nur so können Sie den Erfolg gegen den Aufwand von Schallschutz- und Akustikmaßnahmen genau abwägen. Angemessenheit und Sinnhaftigkeit müssen im privaten Zuhause stimmen, damit sowohl äußere als auch innere Ruhe am Arbeitsplatz entstehen.

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Der Aufbau einer freistehenden Vorsatzschale. Hier können Sie den Abstand zur Bestandswand nach Bedarf frei wählen. Zeichnung: Knauf

Nur der entkoppelte Wandanschluss an den Boden sichert den optimalen Schallschutz. Zeichnung: Knauf

Gleiches gilt beim Deckenanschluss. Denken Sie an die Bewegungsfuge am Stoß der Bekleidung angrenzender Bauteile. Zeichnung: Knauf

Auch die Plattenstöße selbst brauchen eine Bewegungsfuge. Zeichnung: Knauf

Bei der Dämmung von Zwischen- bzw. Trennwänden wird die Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle) zwischen den Ständern angebracht.

Was für Metallständer gilt, gilt auch für Holz: entkoppeln!

Für die Fußbodendämmung werden hochverdichtete Trittschalldämmplatten aus Glaswolle oder Steinwolle verwendet.

Entkoppeln Sie auch den Bodenbelag vom Rohfußboden und von der Wand mit Mineralwolle. So reduzieren Sie den Übertrag von Trittschall über die Bauteile.

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