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Fünf Antworten zum Brandschutz bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade

Mit Mineralwolle (Steinwolle und Glaswolle) ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) eine sehr bewährte, brandgeschützte Fassadenkonstruktion, die sich vor allem entlang aktueller Bau- und Sicherheitsstandards weiterentwickelt. Die VHF ist deshalb eine Aufgabe für den Fachmann! Mit dem verstärkten Bau neuer Holzhochhäuser bekommt der Brandschutz von hinterlüfteten Fassaden eine besonders große Bedeutung. Alles, was Sie dazu wissen müssen sowie weitere Fragen rund um den Brandschutz bei VHF-Konstruktionen beantworten wir in diesem Beitrag.

1. Warum ist der Brandschutz so wichtig und welche Anforderungen gelten bei VHF?

Weil eine hinterlüftete Fassade einen Kamineffekt erzeugen könnte, der im Brandfall ggf. zu einem Brandübertrag vor allem über die Fassadenhöhe führt, gelten für die VHF strenge Brandschutzvorschriften. So muss die Dämmung baurechtlich zwingend nichtbrennbar sein. Außerdem müssen Sie den Querschnitt der Hinterlüftung jeweils nach zwei Geschossen mit einer Brandsperre auf 100 cm²/m reduzieren, zumindest bei herkömmlichen Metallunterkonstruktionen und nichtbrennbaren Bekleidungen. Beide Anforderungen lassen sich mit Mineralwolle erfüllen, denn sie ist nichtbrennbar, nicht glimmend und nicht brennend abfallend oder abtropfend.

Auch die Brandsperre können Sie mit einem 15cm hohen Dämmstreifen aus Mineralwolle, als „Brandriegel“ bezeichnet, besonders einfach herstellen. Dafür lassen Sie bei der Dämmung auf jedem zweiten Geschoss zwischen zwei Plattenreihen einen horizontal durchgehenden Spalt frei. Eine Schablone hilft, den korrekten Abstand einzuhalten. Beachten Sie, dass der Brandriegel die gesamte Fassadenbreite durchlaufen muss. Er sollte also über oder unter den Fassadenöffnungen liegen.

2. Wie verlege ich die Brandsperre, wenn die Fassade über mehrere Geschosse geöffnet ist?

Bestehen Fassadenöffnungen über mehrere Geschosse, dann queren sie evtl. auch die Lage eines Brandriegels. Hier müssen Sie die Öffnungen, also die Fensterlaibung, den Fenstersturz und die Fensterbänke, brandschützend mit Laibungsplatten aus Mineralwolle komplett umdämmen. Sie können dann den Brandriegel aus Mineralwolle lückenlos an die Laibungsdämmung anschließen. Beachten Sie, dass die Dämmung der Laibung – wie der Brandriegel auch – bis an die Bekleidungsebene heranreichen muss, damit eine durchgängige Brandsperre entsteht. Vergessen Sie dabei auch nicht, die Lüftungsöffnungen entsprechend neu zu setzen, denn durch eine Fensteröffnung wird immer die horizontale Hinterlüftung der Fassade unterbrochen.

3. Was ist zu beachten bei den Anschlüssen von sehr tiefen Fassadenaufbauten?

Rechnen Sie mit maximalen Wand- und Dämmstärken, Hinterlüftungsräumen und starken Bekleidungsmaterialien, wie zum Beispiel die 50 mm starken, beim StudierQuartier Osnabrück eingesetzten Keramikstäbe, dann erhalten Sie mitunter sehr tiefe Wandaufbauten von bis zu einem Meter. Das bedeutet: Alle Bauteile, die den Fassadenraum abschließen, wie obere Dachkanten oder auch Fensterbänke, müssen eine große Distanz überbrücken und meist noch erhebliches Gewicht wie Dachdämmungen oder eine sich aufstützende Person aushalten. Es braucht also statisch sichere Unterkonstruktionen für Dachaufbauten oder Fensterbänke. Diese müssen Sie wiederum ausreichend dämmen, damit diese keine Wärmebrücken darstellen oder gar eine Brandausbreitung verursachen.

Ein Beispiel: Beim StudierQuartier wurde die Fassade im oberen Bereich mit auf dem Dach montierten und auskragenden OSB-Platten überbaut, die dann rundum mit Mineralwolle gedämmt und so vor Feuer geschützt wurden. Die Anschlüsse solcher statisch notwendigen und über die Fassadendämmung ragenden Unterkonstruktionen verlangen also besonders viel Aufmerksamkeit, wie etwa auch die Planung der wasserführenden Schicht. Um mindestens 5° sollten Fensterbänke zur Fassadenaußenseite, Attiken zur Dachfläche geneigt sein. Fensterbänke und Attikaabdeckungen sollten einige Zentimeter vor die Bekleidungsebene ragen, um dort das Wasser über eine Tropfkante abtropfen zu lassen. Es entstehen also über die Tiefe einer Fassade und die notwendige Neigung der horizontalen Fläche stärkere Höhendifferenzen, die bei den Anschlüssen von Laibung und Fassadenbekleidung zu beachten sind.

Achten Sie außerdem darauf, unter allen horizontalen Flächen – bei den Dachabschlüssen samt Attika sowie bei den Fensterbänken – wasserdichte Bahnen korrekt zu verkleben und bis an die wetterberührte, d. h. wasserführende Schicht der hinterlüfteten Fassade anzuschließen. Dabei ist besonders wichtig, dass Sie diese wasserführende Schicht nicht durch Metallkonsolen, zum Beispiel bei der Auflagerung von Fensterbänken, durchbrechen dürfen. Die Details, vor allem von tiefen Fassadenkonstruktionen, können also statisch, bauphysikalisch und brandschutztechnisch recht anspruchsvoll sein und müssen von Profis sehr sorgfältig ausgeführt werden, damit die Dämmung und die gesamte Konstruktion lange funktionsfähig bleiben.

4. Wie führe ich eine VHF über einen Brandabschnitt?

Die nichtbrennbare Fassadenverkleidung darf über Brandabschnitte verlaufen, wenn Sie die Brandwand, also die Schnittstelle zwischen den Brandabschnitten, im hinterlüfteten Fassadenraum komplett bis zur Bekleidungsebene und über die gesamte Tiefe der Brandwand mit Mineralwolle dämmen. Beachten Sie, dass in diesem Bereich keine Fassadenöffnungen liegen dürfen. Sie können auch hier Brandriegel aus Mineralwolle einsetzen, die Sie vertikal und nebeneinander einbauen. Die Eigenschaften der Mineralwolle, am Stoß zu verfilzen, gewährleistet einen optimalen Brandschutz. Allerdings müssen Sie den Brandriegel bei vertikaler Platzierung mit einem Dämmstoffhalter pro Meter Brandriegel sichern.

5. Ich plane einen hinterlüfteten Fassadenaufbau in Holzbauweise. Kann ich hier wie oben beschrieben verfahren?

Für Unterkonstruktionen und Bekleidungen aus Holz gelten gesonderte Brandschutzrichtlinien, die im Oktober 2020 in der „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise“, kurz MholzBauR, konkretisiert wurden. So ist die Hinterlüftungstiefe bei Holzkonstruktionen zum Beispiel auf 50 mm begrenzt. Außerdem gelten kleinere Hinterlüftungsabschnitte von maximal 5 Metern Höhe. Statt alle zwei Geschosse muss zwischen jedem Geschoss eine Brandsperre verbaut sein und bis vor die Bekleidungsebene ragen.

Auch der Umgang mit Brandabschnitten ist anders: Brandwände sind komplett mit Mineralwolle, also ohne Hinterlüftung, zu überdämmen und auf einen Meter Breite mit einer nichtbrennbaren Außenbekleidung zu verkleiden. Weitere Informationen, auch zu den genauen Vorgaben bzgl. Tiefe und Ausführung der Brandsperren und der Gebäudeinnen- und -außenecken finden Sie in der MholzBauR.

Haben Sie noch Fragen zur Dämmung einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade? Dann schicken Sie uns eine E-Mail – wir haken für Sie bei unseren Experten nach!

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Klimaschutzsiedlung NRW I Außenansicht I VHF I Der Dämmstoff I Foto Deutsche Rockwool

Die sanierte Siedlung aus den 1950er Jahren, in der Hattinger Südstadt gelegen, ist eine von 100 Klimaschutzsiedlungen in NRW. Einige der Gebäude erreichen mit einer VHF aus Holz und 30 cm Mineralwolldämmung den Standard Nullemissionshaus mit einem Jahresprimärenergieverbrauch von durchschnittlich 60 kWh/m²a. Foto: Deutsche Rockwool

Klimaschutzsiedlung NRW I Fassadenansicht I VHF I Der Dämmstoff I Foto Deutsche Rockwool

Auf die Außenwand aus Bimshohlblocksteinen kommt eine Fassadenunterkonstruktion aus Kerto-Trägern mit zwei Dämmlagen aus Mineralwolle. Eine Abdichtungsbahn sichert den Wetterschutz. Zusammen mit den dunkel lackierten Tragprofilen erzeugt sie einheitlich dunkle Fugen zwischen den hellen Weißtannenlatten. Foto: Deutsche Rockwool

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