Wie aus Wolle Steine werden: Recycling von Steinwolle

Was machen Sie denn da?

„Ich lege einen Stein in die Steinpresse und zerquetsche ihn mit der Maschine. Wir nennen das ‚abdrücken‘. Dabei testen wir die Festigkeit und messen, wie viel Kraft wir brauchen, um den Stein zu zerstören. Dann beurteilen wir, ob unsere Steine fertig gebacken sind“, erklärt Christoph Esser. Der 53-Jährige ist Werkleiter in einem Unternehmen zur Herstellung von Steinwolle in Gladbeck. Der Stein, den er gerade zerdrückt hat, ist etwas ganz Besonderes, denn er wurde aus Steinwolle hergestellt. Und hier beginnt ein Verwertungskreislauf: Reste und alte Steinwolle werden zu Steinen recycelt, die dann wiederum zu Steinwolle eingeschmolzen werden.

„Wir schneiden unsere Steinwolleplatten zu und haben daher Reste in der Produktion. Außerdem nehmen wir alte Steinwolleplatten zurück. Bei uns gibt es aber keinen Abfall. Alles wird recycelt“, sagt Esser. Die Steinwolle wird in kleine Stücke gerissen und dann in einer Mühle gemahlen. Damit die Steine später gut zusammenhalten, ist eine bestimmte Korngröße erforderlich, etwa einen halben Zentimeter. Zusammen mit weiteren Stoffen entsteht die richtige Chemie. „Wir haben ein Stein-Rezept, das wir immer wieder neu anpassen müssen.“

Recycling-Steine machen 50 Prozent der Steinwolleherstellung aus

Ist die richtige Mischung gefunden, wird die Masse in Form gepresst. Es entstehen graue Briketts, jedes zehn Zentimeter breit,12 Zentimeter hoch und etwa 1 Kilo schwer. Ehe die Recycling-Steine zu neuer Steinwolle eingeschmolzen werden, müssen sie noch zwei bis drei Tage in einer Halle trocknen.

Und sie müssen den Festigkeitstest mit der Steinpresse bestehen. „Das ist wichtig, damit der Schmelzprozess im Ofen optimal ablaufen kann“, erklärt Esser, der seit mehr als 27 Jahren in der Produktion tätig ist. „Die Recycling-Steine machen immerhin 50 Prozent bei der Steinwolleherstellung aus.“ Die Qualität der Steine wird daher täglich überprüft. Bei 1400 bis 1500 Grad schließlich schmelzen die Steine im Ofen und bilden zusammen mit Basalt flüssige Lava, die zu neuer Steinwolle gesponnen wird. Aus Wolle werden Steine, wird Wolle, werden wieder Steine…

Weitere Informationen, Bilder und Links finden Sie auf Twitter @DerDaemmstoffunter dem Hashtag #MaxMin.

5. Oktober 2016

Die Qualität der Recycling-Steine wird täglich überprüft. Christoph Esser testet, ob die Steine schon fertig gebacken sind. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG


Beim Recycling werden alte Steinwolle und Reste in einer Mühle fein gemahlen. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG


Die fertigen Recycling-Steine müssen 2-3 Tage in einer Austrocknungshalle trocknen. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG

Ähnliche Artikel, die Sie interessieren könnten

Tomaten die auf Steinwolle wachsen

10.000 Tonnen Tomaten produziert der Gemüsering Thüringen pro Jahr. In der hochmodernen Gewächshausanlage ist einiges anders als erwartet, denn die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern in Stein. Genauer gesagt, in 800 Kubikmeter Steinwolle.