Heißkalte Bilder: Was taugt die Wärmebildkamera fürs Handy?

  • Wärmebildkameras fürs Handy gibt es schon für wenige hundert Euro

  • Aufnahme und Auswertung der Bilder verlangen aber Expertenwissen und sollten daher vom Fachmann gemacht werden

19. Oktober 2016 – Wer Heizkosten sparen möchte, findet im Internet viele Tipps zum richtigen Heizen. Oder man geht das Problem grundsätzlich an und findet heraus, wo das Haus Wärme verliert. Ein Energieberater kann die Schwachstellen auf einem Wärmebild sichtbar machen. Aber kann man das nicht selber machen, vielleicht mit einer App? Es gibt tatsächlich welche und dazu noch eine Wärmebildkamera fürs Handy. Die nutzen sogar die Profis. Doch Aufnahme und Auswertung verlangen Expertenwissen zumal Wärmebilder auch manipulierbar sind.

Für den Überblick gut, insgesamt aber nicht gut genug

„Wenn ich mir einen ersten Eindruck verschaffen möchte, nehme ich die Wärmebildkamera fürs Handy. Dafür ist sie ganz gut“, meint Gerhard Brinkmann, zertifizierter Energieberater der Deutschen Energie-Agentur (dena). „Aber wenn es um die genaue Analyse geht, kommt sie gegen ein Profimodell nicht an.“ Für Benjamin Standecker, stellvertretender Vorstand im Bundesverband für Angewandte Thermografie (VATh), ist die Technik das geringere Problem. Er sieht die Schwierigkeit eher im fehlenden Know-How. „Ich empfehle niemandem, so eine Kamera zu kaufen und sein Haus selbst zu thermografieren. Dafür braucht es einen ausgebildeten Fachmann.“

Und der weiß zum Beispiel, dass Regen, Nebel, Sonneneinstrahlung und starke Temperaturunterschiede ein falsches Ergebnis liefern. Und dass man viele Schwachstellen erst durch eine Innenaufnahme erkennt. Die Analyse des Wärmebilds verrät dem Energieberater, wo besonders viel Wärme verloren geht. Meistens sind dies ungedämmte Fassaden, Keller und Dächer. Aber auch Wasserschäden und Schimmelpilzbildung identifiziert der Fachmann. In einem Vorher-Nachher-Vergleich ist die Wirkung einer Dämmung mit Mineralwolle eindeutig im Wärmebild zu erkennen: „Wenn das Haus viel Wärme verliert und die Thermogramme der Außenfassade deutliche Unterschiede in der Oberflächentemperatur aufweisen, also ‚deutlich bunt sind‘, muss es nach einer Dämmung einfarbig sein,” erklärt Energieberater Brinkmann. „Oft kann man auch mit kleinen Maßnahmen viel gewinnen. Zum Beispiel, wenn man Heizkörpernischen mit Mineralwolle dämmt.“

Wärmebild: Rot gleich warm, Blau gleich kalt – oder?

Meistens stimmt diese Farbzuordnung. Aber Achtung: „Ein Wärmebild braucht immer eine Temperaturskala, die die dargestellten Farben einordnet. Sonst ist es nicht mehr als ein buntes Bildchen“, sagt Standecker vom VATh. Probleme gibt es, wenn Unternehmen die Temperaturskalierung verändern und versuchen, den Hausbesitzer zu täuschen. Wärmebilder lassen sich also manipulieren. Doch wie erkennt man einen vertrauenswürdigen Fachmann? „Ein integrer Thermograf wird dem Kunden niemals nur ein Wärmebild übergeben. Sondern immer ein vollständiges Thermogramm mit Temperaturskala, Beschreibung und Auswertung.“

Weitere Informationen, Bilder und Links finden Sie auf Twitter @DerDaemmstoffunter dem Hashtag #MaxMin.

Bundesverband für Angewandte Thermografie e.V. 

Brinkmann Ingenieurbüro

Wärmebildkameras gibt es auch für Handys. Mit den Profimodellen können sie technisch aber noch nicht mithalten. Foto: VATh.


Die Wärmebildaufnahme verrät, an welchen Stellen bei diesem alten Bauernhaus Wärme verloren geht. Foto: VATh.


Oft lassen sich Schwachstellen erst durch eine Innenaufnahme entdecken. Die Temperaturskala (rechts) gehört zu jedem Wärmebild dazu. Foto: VATh.


Eine gekürzte Version des Artikels erschien in der Fachzeitschrift „Der Bausachverständige“ Nr. 6/2016 , die vom Fraunhofer IRB Verlag herausgegeben wird.

 

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