Fördergelder in der Niedrigzinsphase

Lohnt sich ein KfW-Darlehen noch?

Berlin, im März 2016. Fördergelder vom Staat können den entscheidenden Anstoß dazu geben, energieeffizient zu bauen oder energetisch zu sanieren. Ein bewährter Weg zu den Fördermitteln führt über ein zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Heute ist allerdings – zumindest im langjährigen Vergleich – nahezu jedes Hypothekendarlehen zinsgünstig. Lohnt es sich da überhaupt noch, Fördermittel bei der KfW zu beantragen?

Der erste Blick auf die Zinskonditionen wirkt zunächst ernüchternd. Ab einem Effektivzins von 0,75% gibt es Darlehen von der KfW aus den Programmen 151 „Energieeffizient Sanieren“ oder 153 „Energieeeffizient Bauen“. Da können manche Banken ohne weiteres mithalten oder liegen nur knapp darüber. Wozu also noch einen zusätzlichen Antrag schreiben?

Der zweite Blick erlaubt schon eine realistischere Einschätzung der Situation. Traumzinsen gibt es bei den Geschäfts- und Hypothekenbanken meist nur bei einer moderaten Beleihung bis 50 oder 60% des Beleihungswertes und bei einer recht kurzen Zinsbindung von 5 Jahren. Möchte man sich die Konditionen längerfristig sichern oder kann nur einen geringeren Eigenanteil beisteuern, wird es schnell deutlich teurer. Die KfW-Konditionen gelten dagegen für eine Zinsbindungsfrist von 10 Jahren.

Was den Beleihungswert betrifft, lohnt es sich bei der Bank nachzufragen, ob sie den KfW-Anteil an der Gesamtfinanzierung wie Eigenkapital des Bauherrn behandeln oder als Teil der gesamten Kreditsumme ansehen. Im ersten Fall kann man durch die Kombination des KfW-Darlehens mit dem Hypothekendarlehen auch den Zinssatz der Hypothek günstig beeinflussen.

 

Geld geschenkt

Für das Förderdarlehen spricht allerdings noch ein weiterer Punkt: Da die günstigen KfW-Kredite einen bestimmten Zweck erreichen und die Motivation zum energieeffizienten Bauen steigern sollen, werden Bauherren bei Erreichen dieses Zwecks zusätzlich belohnt. Das entscheidende Stichwort dabei lautet Tilgungszuschuss. Es bedeutet: Je nach erreichtem Effizienzhausstandard wird ein Teil der Darlehenssumme erlassen. Im Programm 153 sind das ab dem 1. April 2016 beim KfW-Effizienzhaus 55 bereits 5% des Förder-Darlehens, ab dem Effizienzhaus 40 sind es 10% und ab dem Effizienzhaus 40 plus erhält man satte 15% gutgeschrieben. Bei einer Kreditsumme von maximal 100.000 Euro pro Wohneinheit sind das 5000, 10.000 oder 15.000 Euro Belohnung. Das gibt es sonst bei keinem banküblichen Darlehen.

Ähnlich erfreulich sind die Beträge, die im Programm 151 gutgeschrieben werden. Sie reichen bis hinauf zu 27,5% Tilgungszuschuss, wenn ein KfW-Effizienzhaus 55 entsteht. Die maximale Darlehenssumme beträgt auch hier 100.000 Euro, also gibt es einen Bonus von bis zu 27.500 Euro.

Die Tilgungszuschüsse reduzieren die Kreditsumme und verkürzen damit die Laufzeit. Insgesamt fallen dadurch deutlich weniger Zinsen an.

Wer effizient saniert und bereits über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, kann statt des Programms 151 übrigens auch das Programm 430 wählen. Dann erhält er kein Darlehen, sondern je nach erreichtem Effizienzstandard einen Investitionszuschuss von bis zu 30% der förderfähigen Kosten bzw. bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit.

 

Geld gespart

Noch gar nicht berücksichtigt ist bei alldem, dass die günstig finanzierte Bau- oder Sanierungsmaßnahme langfristig die laufenden Kosten für Heizung, Lüftung oder Klimatisierung eines Hauses senkt. Wer mit den Fördermitteln beispielsweise eine Mineralwolle-Dämmung finanziert hat, spart anschließend ohne weitere Investitionen oder Unterhaltskosten Jahr für Jahr Energiekosten – und das über Jahrzehnte hinweg, da die Dämmung während dieser Zeit unverändert wirksam bleibt.

Zugleich erhöht eine effiziente Dämmung mit einem dauerhaft funktionierenden Dämmstoff den Wert des Gebäudes und kann die erzielbaren Preise bei Verkauf oder Vermietung steigern. Für die Investition in den energetischen Standard erhält man also einen echten Gegenwert, und das zu Konditionen, die sich auch in der Niedrigzinsphase rechnen.

Ein KfW-Kredit lohnt sich. Je nach erreichtem Effizienzhausstandard können Teile der Darlehenssumme erlassen werden.

Ein KfW-Kredit lohnt sich. Je nach erreichtem Effizienzhausstandard können Teile der Darlehenssumme erlassen werden. Quelle: Shutterstock