Dank Mineralwolle-Dämmung vom Altbau zum Niedrigenergiehaus

Dämmung von Dach, Fassade und Keller bringt maximale Energieeffizienz

Mehr Platz für die Kinder, ein großer Garten, möglichst geringe Energiekosten – das waren die Wünsche einer vierköpfigen Familie an ihr neues Haus. Ein freistehendes Einfamilienhaus in Oberhausen, in massiver Bauweise 1952 errichtet, entsprach vom Grundriss her den Vorstellungen. Eine energetische Modernisierung war jedoch unvermeidbar und vom neuen Hauseigentümer, selbst Energieberater, mit klaren Zielvorstellungen verbunden: Das Gebäude sollte als „Niedrigenergiehaus im Bestand“ am Modellvorhaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) teilnehmen. Maximale Energieeffizienz nach der aktuellen EnEV wurde unter anderem durch die Dämmung der gesamten Gebäudehülle mit Mineralwolle erreicht.

Die Ausgangslage: Dämmung an einzelnen Bauteilen vorhanden, dennoch hohe Energieverluste

Beim Kauf verfügte das Haus über einen unbeheizten Keller, ein vormals bewohntes Erd- und Obergeschoss sowie einen nur marginal zum weiteren Ausbau vorbereiteten Spitzboden. Der Kellerboden bestand aus einer einfachen Betonplatte. Die Kellerwände, aus 36er-Ziegelmauerwerk und Beton, waren direkt an das anstehende Erdreich gemauert und hatten keine separate Abdichtung, an einigen Anschlussstellen zeigte sich Feuchtigkeit. Die Kellerdecke des Hauses war als Kappendecke bestehend aus Stahlträgern mit Zwischenlagern aus Beton konstruiert. Darauf folgte im Wohnzimmer eine Elektrofußbodenheizung auf Mineralwolle-Dämmung mit Zementestrich und Terrazzobelag. In Diele, Küche und Badezimmer fanden sich einfacher Zementestrich mit Fliesenbelag, im Schlafzimmer zementgebundene Spanplatten auf Hölzern. Die Außenwände des Hauses bestanden aus 24er-Bims-Hohlblocksteinen. Der Südgiebel des Obergeschosses war mit einer gedämmten, hinterlüfteten Fassade versehen worden. Alle anderen Außenwände hatten eine Innendämmung erhalten. Als Schrägdach fand der neue Hauseigentümer ein Pfettendach mit 12er-Sparren und Kehlbalkenlage vor. Eingedeckt war das Dach mit Tonziegeln. Der Dachaufbau enthielt teilweise eine Dämmung, war aber nicht luftdicht und damit ein latentes Risiko für Heizwärmeverlust.

Analyse der energetischen Ausgangslage: Hohe Energieverluste erfordern ehrgeiziges Sanierungskonzept

Obwohl – für ein Haus aus den 1950er Jahren eher ungewöhnlich – einzelne Bauteile des Hauses schon mit einer Dämmung versehen waren und das Haus über Fenster aus Zweischeibenisolierverglasung verfügte, fiel die tiefergehende energetische Bewertung ernüchternd aus. Für eine Wohnfläche von rund 130 Quadratmetern wurde ein Heizwärmebedarf nach EnEV von ca. 193 kWh/(m2 x a) ermittelt. Sämtliche bewohnten Räume wurden bis dahin mit Elektro-Nachtspeichergeräten, im Wohnzimmer zusätzlich mit einer Elektrofußbodenheizung, erwärmt. Der Endenergiebedarf lag bei hohen 26.000 kWh/a. Aufgrund des Jahresprimärenergiebedarfs von ca. 620 kWh/ (m2 x a) würde das Haus heute im Rahmen einer Energieausweis-Erstellung in den tiefroten Bereich eingestuft werden. Aus ökologischer wie finanzieller Sicht für die neuen Hauseigentümer kein akzeptables Ergebnis. Entsprechend wollte der Hausbesitzer an dem Modellvorhaben “Niedrigenergiehaus im Bestand” der Deutschen Energie-Agentur (dena) teilnehmen und das Haus nach einem ehrgeizigen Sanierungskonzept umfassend modernisieren. Das Modellvorhaben verlangte dabei über die “normalen” KfW-Anforderungen hinaus verschärfte Effizienzwerte: So mussten die anstehenden Sanierungsmaßnahmen dazu beitragen, den Primärenergiebedarf gegenüber einem vergleichbaren Neubau um mindestens 30 Prozent zu unterschreiten, den spezifischen Transmissionswärmebedarf – als Indikator für die Qualität der Hülle des Hauses – sogar um mindestens 35 Prozent. Nach heutigen KfW-Förderkriterien im Programm “Energieeffizient sanieren” entspräche dies dem Erreichen des Niveaus “EnEV minus 30 %” (Kategorie A). Hierdurch würde ein Zuschuss von 17,5 Prozent der förderfähigen Investitionskosten im Fall der Zuschuss-Variante oder ein Tilgungszuschuss von 12,5 Prozent des zugesagten Kreditbetrages (Kredit-Variante) gewährt.

Baumaßnahmenplanung: Dämmung vom Keller bis zum Dach

Neben kleineren Veränderungen im Grundriss und Umbauarbeiten standen bei der Baumaßnahmenplanung vor allem energetische Gesichtspunkte im Fokus. Begonnen wurde mit einem komplett neuen Dachstuhl. Die neue Dachkonstruktion wurde als Pfettendach ohne Kehlbalkenlage geplant. Die Dachgeschossräume sollten komplett bis in die Dachspitze geöffnet werden, die von den Hauseigentümern gewünschten großen Raumhöhen und ein modernes, luftiges Hausinnere entstanden. Bei der Dämmung des Dachstuhls gingen die Hausbesitzer auf Nummer sicher: Eine Auf-, Unter- und eine Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle wurden in einer Dämmdicke von insgesamt 360 Millimetern verlegt. Um die volle Dämmleistung der neuen Konstruktion nicht durch Undichtheiten zu beeinträchtigen, wurde großer Wert auf die Luftdichtheit gelegt. Eine feuchtevariable Dampfbremse und Luftdichtungsbahn schützt im Winter zuverlässig vor eindringender Nässe. Im Sommer sorgt die sich öffnende Molekularstruktur für eine sichere Austrocknung eingeschlossener Feuchte. Die einzelnen Bahnen wurden an den Überlappungsbereichen luftdicht verklebt. Der dichte Abschluss der Folien an die flankierenden Bauteile erfolgte mit einem speziellen Dichtkleber. Die hohe Qualität der ausgeführten Luftdichtheitsebene wurde durch eine Blower-Door-Messung  bestätigt.

Zusätzlich zur energetischen Sanierung des Dachs wurden weitere Maßnahmen zur Dämmung durchgeführt. So erhielt die Fassade ein 180 Millimeter dickes Wärmedämmverbundsystem mit einem nicht brennbaren Mineralwolle-Kern. Parallel wurde auf der Kellerdecke unter dem Holzdielenboden eine Trittschall- und Wärmedämmung (Dicke 100 Millimeter) verlegt. Mögliche Wärmebrücken im Ortgangbereich sowie im Keller wurden gezielt durch den Einsatz von Dämmwinkeln minimiert. Der Einbau von 2-Scheiben-Wärmeschutz-verglasten Fenstern in Kombination mit Rahmen aus 6-Kammer-Hohlprofilen und Edelstahlrandverbund komplettiert die hervorragenden Dämmeigenschaften der gesamten Hülle des Hauses.

Maximale Energieeffizienz nach aktueller EnEV

Den Erfolg der Sanierung kann man auch an folgenden Werten ablesen: Für die rund 130 Quadratmeter Wohnfläche wurde ein künftiger Heizwärmebedarf nach EnEV von ca. 38 kWh/(m2 x a) ermittelt. Der spezifische Transmissionswärmeverlust weist mit einem Wert von 0,28 W/(m2 x K) auf eine hohe Dämmqualität der Hülle des Hauses hin. Der Jahresprimärenergiebedarf konnte von vormals 620 auf 26 kWh/(m2 x a) reduziert werden. Der Endenergiebedarf der im Rahmen der Sanierung neu eingebauten Holzpelletheizung liegt nur noch bei rund 12.500 kWh/a. Mit diesen Bewertungskriterien liegt das Einfamilienhaus beim Energieausweis im “satt” grünen Bereich der Bewertungsskala. Mit einem spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen, Transmissionswärmeverlust HT’, der um 35 Prozent unter Neubau-Niveau liegt, entspricht das Gebäude den Anforderungen an ein KfW-60-Haus, der geringe Primärenergiebedarf (Qp“ = 26 kWh/m2 x a) unterschreitet diese sogar deutlich. Die Bauwerkskosten nach der Architektenplanung lagen bei etwas über 150.000 Euro. Ein nicht geringer Aufwand, der sich aus Sicht des Hausbesitzers jedoch trotzdem gerechnet hat. “Durch die Teilnahme an dem Modellvorhaben der dena konnten wir unsere zinsgünstige Kreditsumme bei der KfW von ursprünglich 150 Euro pro Quadratmeter auf 250 Euro pro Quadratmeter erhöhen. Das ließ die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen zu und gewährleistet eine noch schnellere Amortisation der getätigten Investitionen“, so der neue und stolze Hauseigentümer.

Quelle: www.der-daemmstoff.de

Vor der Sanierung: Ein typisches Wohnhaus aus den 1950er Jahren mit hohem Energieverbrauch, obwohl schon einige Bauteile eine Dämmung erhalten hatten
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Nach der Sanierung: Mehr Wohnraum, ein großer Garten, möglichst geringe Unterhalts- und Energiekosten – das Einfamilienhaus in Oberhausen erfüllt jetzt sämtliche Wünsche der vierköpfigen Eigentümerfamilie
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Wärmende Hülle für das Dach: Die Aufsparrendämmung aus Mineralwolle schützt vor Wärmeverlusten
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