Innenansicht Aufnahmestudio

Bunker-Ruine wird Profi-Tonstudio

  • Schlankheitskur: Nach dem Umbau war der Luftschutzbunker um 300 Tonnen „leichter“

  • Maximaler Schallschutz: Im Tonstudio verstummt sogar der Presslufthammer

6. April 2016 — Dunkel, enge Räume, eine baufällige Ruine – der Luftschutzbunker in der Bochumer Innenstadt schien nicht gerade der ideale Standort zu sein. Das SAE Institute, die weltweit größte Bildungseinrichtung für Medienberufe, erkannte dennoch Potenzial in dem wuchtigen Bau. 1,5 Millionen Euro investierte SAE, um den Betonkoloss in nur 11 Monaten Bauzeit zu einem modernen Mediencampus auszubauen – mit einem Profi-Tonstudio. Durch seine dicken Wände würde der Bunker einfach alle störenden Geräusche draußen halten. Gute Voraussetzungen für professionelle Aufnahmen. Doch es warteten einige unangenehme Überraschungen auf die Architekten.

Hell, offen und modern sollte das „Zentralmassiv“, wie der Bunker getauft wurde, in Zukunft sein. Mit schwerem Gerät schnitten die Bauarbeiter Fensteröffnungen aus den zwei Meter dicken Stahlbetonwänden und rissen Betoninnenwände ein. Neun Wochen dauerte es, den Bunker zu entkernen. Am Ende mussten 300 Tonnen Bauschutt abtransportiert werden.

Obwohl bei einem Bunker eigentlich nicht damit zu rechnen war, gab es beim Bau des Tonstudios Probleme mit der Statik. „Wir waren überrascht, als wir nur sehr dünne Zwischendecken vorfanden“, erinnert sich Oliver Hackhausen, Diplom-Ingenieur beim Münchner Architektur-Büro concept-A. „Eigentlich wollten wir massive Wände einziehen aber das ließ die Tragfähigkeit der Zwischendecken nicht zu.“ Um die Räume trotzdem schalldicht abzukoppeln, wurden Wandkonstruktionen in Leichtbauweise errichtet, die mit Mineralwolle ausgelegt wurden. Die erreichten Schalldämmmaße liegen über 85 Dezibel – selbst einen Presslufthammer direkt vor der Tür würde man im Tonstudio nicht hören.

Schließlich musste noch die richtige Klangatmosphäre geschaffen werden. Um die Akustik innerhalb der einzelnen Räume zu verbessern, setzte Oliver Hackhausen Absorber ein, die Schall und Geräusche „schlucken“. „Mineralwolle eignet sich gut dafür, sie ist ein enorm effektiver Breitbandabsorber.“ Insgesamt fünf Regie- und drei Aufnahmeräume stehen den 200 Studenten des SAE Institutes im Tonstudio zur Verfügung.

Boom bei Tonstudios im Eigenbau

Nicht jeder hat einen Luftschutzbunker und das nötige Kleingeld, um ihn auszubauen. Aber seitdem Tontechnik immer günstiger wird, erfüllen sich doch viele den Traum vom eigenen Tonstudio. Im Proberaum, Keller oder im heimischen Wohnzimmer: Do-it-Yourself boomt in der Musikbranche. Musiker-Foren und -Blogs im Internet bieten Anleitungen und beantworten Fragen. Zum Beispiel, wie man einen Breitband-Absorber selbst baut.

Weitere Informationen, Bilder und Links finden Sie auf Twitter @DerDaemmstoff unter dem Hashtag #MaxMin.

Bunker im Rohzustand Foto: Zentralmassiv Schmidt GbR

Bunker im Rohrzustand Foto: Zentralmassiv Schmidt GbR


Innenansicht Tonstudio im Umbau, Trockenbauwände

Wandkonstruktion des Tonstudios mit Mineralwolle Foto: SAE Institute Bochum


Nach dem Umbau: helle, offene und moderne Räume Foto: SAE Institute Bochum

Nach dem Umbau: helle, offene und moderne Räume Foto: SAE Institute Bochum


Das Zentralmassiv nach dem Umbau. Foto: SAE Institute Bochum

Das Zentralmassiv nach dem Umbau. Foto: SAE Institute Bochum

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