Absolute Stille: Der leiseste Ort Berlins

  • Mitten im lärmbelasteten Berlin, an der Technischen Universität, gibt es einen Raum der absoluten Stille.

  • Die Forscher messen hier, wie sich Verbrennungslärm zusammensetzt.

  • Mineralwolle an den Wänden absorbiert den Schall und sorgt für den erforderlichen Brandschutz.

05. April 2017 – Noch hören die Berliner ganz gut. Und zwar besser als die New Yorker, aber schlechter als die Menschen in München. Das geht aus dem „Weltweiten Hörindex 2017“ hervor, bei dem Berlin auf dem 14. Platz landete. Berlin und Lärm, das gehört selbstverständlich zusammen. Eine ständige Geräuschkulisse von bis zu 80 Dezibel – das ist so laut wie ein Presslufthammer – belastet täglich die Nerven der Hauptstädter. Doch an einem Ort mitten in Berlin herrscht absolute Stille: Im Freifeldraum der Technischen Universität. Dank Mineralwolle ist es hier sogar so leise, dass man hören kann, wie einem das Blut durch die Adern rauscht. Beste Voraussetzungen also für Lärm-Experimente, die das Leben nicht nur in Berlin leiser machen könnten.

Extreme Stille und futuristisches Design mit Mineralwolle

Von allen Seiten ragen lange Keile aus Mineralwolle in den 50 Quadratmeter großen Raum hinein. Ihre besondere Form und Anordnung sorgt für maximale Schallisolierung. „Extreme Stille verursacht im ersten Moment ein ungewohntes Gefühl, weil unser Gehör sich an den ständigen Hintergrundlärm gewöhnt hat,“ erklärt Holger Nawroth. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hermann-Föttinger-Institut. Diese absolute Stille ist nötig, um die Lautstärke einer Schallquelle exakt zu messen. Nawroth und seine Kollegen sind einem ganz besonderen Geräusch auf der Spur: Sie gehen der Frage nach, wie laut Feuer ist. Und dabei spielt Mineralwolle noch eine weitere wichtige Rolle.

Verbrennungsvorgänge in Triebwerken von Flugzeugen sind die Hauptquelle von Fluglärm. Im Freifeldraum der TU Berlin untersuchen die Wissenschaftler Verbrennungslärm und wie dieser beeinflusst wird. Sie arbeiten dabei mit einem speziellen Brenner und offener Flamme. Dutzende kleine Geräte messen die exakte Lautstärke, während die Forscher von außen über ihre Bildschirme das Experiment verfolgen. „Mineralwolle ist das perfekte Wandmaterial für unsere Versuchsanordnung: Sie absorbiert den Schall und sie brennt nicht“, erklärt Nawroth. „Ohne diese Eigenschaften wären unsere Experimente so kaum möglich. Schließlich ist der Brandschutz für uns sehr wichtig.“

Ruhigeres Leben für Anwohner von Flughäfen

Die Ergebnisse der Forschung könnten dazu beitragen, Fluglärm zu verringern. Was vor allem die Nerven und Ohren der Anwohner von Flughäfen entlasten würde. Umfangreiche Schallschutzmaßnahmen an den Häusern und Ohropax gehören dann vielleicht der Vergangenheit an. Die Ohrstöpsel wurden übrigens 1907 erfunden – natürlich in Berlin.

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Fluglärm, Bahnlärm, Motorenlärm: In Berlin trifft das oft alles gleichzeitig aufeinander. Foto: Dergenaue, CC BY-SA 3.0.


Versuchsaufbau mit dutzenden kleinen Messgeräten und einem speziellen Brenner. Lange Keile aus Mineralwolle an den Wänden sorgen sowohl für absolute Stille als auch für den erforderlichen Brandschutz. Foto: Hermann-Föttinger-Institut


Die Wissenschaftler gehen der Frage nach, wie Verbrennungslärm (Combustion noise) entsteht. Die Ergebnisse der Forschung könnten dazu beitragen, Fluglärm zu verringern. Foto: Hermann-Föttinger-Institut

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